Donnerstag, 23.11.2017

Colos-Saal: Zukunft im Roßmarkt offen

Immobilien: Die Häuser, in denen auch die Aloha-Bar ist, haben neuen Besitzer - Berninger: Musikclub nicht vor Aus

(© Stefan Gregor)
Aschaffenburg Donnerstag, 14.09.2017 - 19:35 Uhr

Al­len kur­sie­ren­den Ge­rüch­ten in der Aschaf­fen­bur­ger Ga­s­tro-Sze­ne zum Trotz: Der Co­los-Saal steht nicht vor dem Aus. Im Ge­gen­teil: Er sei auf dem bes­ten Weg in die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on, sagt Ge­schäfts­füh­rer Claus Ber­nin­ger, der gleich­wohl nach ei­ge­nen An­ga­ben »die Füh­ler aus­st­reckt« nach ei­nem neu­en Stand­ort für sei­nen Mu­sik­club.

Zu den Spekulationen um die Zukunft des Colos-Saal war es gekommen, weil das Haus im Roßmarkt samt dem Nachbar-Anwesen mit der Aloha-Bar den Besitzer gewechselt hat. Die beiden Häuser gehörten zur ehemaligen Brauerei Heyland-Schwind. Ein Teil der Verwaltung war darin untergebracht, die Gaststätte Heylands-Treff und die Brauerei-Gaststätte Gambrinus mit ihrem großen Saal.
Claus Berninger und dessen 2007 gestorbener Bruder Günther übernahmen nach und nach als Pächter das gesamte Ensemble. Zunächst den Heylands-Treff, den sie als Klimperkasten (heute Aloha-Bar) eröffneten, dann den Gambrinus mit Saal, aus dem Colos-Saal und Jazzküche (heute Sidekick) wurden.
Eigentümer war bis zuletzt die Schwind Immobilien GmbH mit Wolfgang Schwind, dem ehemaligen Mitinhaber der Brauerei, als Geschäftsführer.
»Alles soll weiterlaufen«
Schwind hat seine Firma nun veräußert. Neuer Eigentümer ist die Gambrinus Immobilien GmbH & Co KG. Diese wiederum befindet sich in Besitz der Kalkan Immobilien GmbH und Claus Schunk. Schunk ist bei Kalkan Prokurist und Leiter der Projektplanung sowie neuerdings auch Geschäftsführer von Gambrinus Immobilien.
Angst um die Zukunft des Colos-Saal und der Aloha-Bar müsse man jedoch nicht haben, versichert Schunk. Es sei in keiner Weise daran gedacht, die Häuser anders zu nutzen. Oder sie gar abzureißen. »Alles soll so weiterlaufen wie bisher, wir möchten nichts ändern«, sagt der 55-Jährige. Mit einer Ausnahme: Schwind-Immobilien war über der Aloha-Bar beheimatet. Diese nun leerstehende Fläche wird laut Schunk in acht Büros für Start-up-Unternehmer umgebaut. Den Mietvertrag mit dem Colos-Saal, so Claus Schunk, würde er indes am liebsten verlängern.
Zukunft in den Sternen
Aber Claus Berninger reagiert zurückhaltend. Der Mietvertrag laufe noch »ein paar Jahre«. Über die Zeit danach mache er sich mit seinem Team gegenwärtig Gedanken. Sicher ist für Berninger: Der Colos-Saal mit seinen momentan 17 fest angestellten Mitarbeitern bleibt Aschaffenburg auch auf lange Sicht erhalten. Der Club, so Berninger, sei ein »gutes Modell«.
Aber: Ob die Heimat des Colos-Saal der Roßmarkt 19 bleibe, stehe noch in den Sternen. Es sei bekannt, dass der Club gelegentlich aus allen Nähten platze. Auch sei es kein Geheimnis, dass die Lage in der Innenstadt ohne Parkmöglichkeiten für Besucher wie auch für gastierende Bands nicht unproblematisch sei. Lärm sei ja ebenso immer wieder ein Thema. »Wir halten unsere Fühler noch ausgestreckt«, sagt Berninger.
Der Clubchef lobt die gute Zusammenarbeit mit dem neuen Vermieter. Er spricht von einer »einvernehmlichen Diskussion«. Alexander Herwig, der Inhaber der Aloha-Bar, hat indes, von einem Schreiben über den Eigentümerwechsel abgesehen, von dem neuen Vermieter »noch nichts gehört« Der 45-Jährige nimmt das gelassen. Sein Vertrag laufe bis Ende 2020. Dann wolle er sich ohnehin komplett aus der Gastronomie zurückziehen. Mit der Aloha-Bar, erklärt Herwig, bestreite er nicht seinen Lebensunterhalt. Hauptberuflich sei er bei der Deutschen Post am Frankfurter Flughafen als Elektrotechniker beschäftigt.
Herwig bedauert, wie er über die Veränderungen informiert wurde. Er sei quasi von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Obwohl die Gerüchteküche schon gebrodelt habe. Über Abriss sei spekuliert worden, über ein neues Projekt mit Tiefgarage, Penthousewohnungen und Einkaufszeile.
Auch Claus Berninger wundert sich über das Stillschweigen von Schwind-Immobilien bis zum letzten Tag. »Man hätte ja auch mich fragen können, ob ich nicht kaufen möchte.« Tatsächlich, so Claus Schunk, sei der Deal über einen Makler zustande gekommen. An einem Samstagvormittag sei ihm das Objekt angeboten worden. Noch am selben Nachmittag habe er zugesagt.
Wolfgang Schwind hat sich zum Verkauf nicht geäußert. Laut Schunk ist er im Urlaub. Eine Anfrage der Redaktion per E-Mail blieb bisher unbeantwortet.
Jürgen Overhoff

Ort des Artikels

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden