Donnerstag, 30.07.2015

Widerstand in Aschaffenburg gegen Ausbaupläne wächst

Darmstädter Straße: Bürgerinitiative will kulturhistorisches Erbe der Stadt erhalten - Parteien und Umweltverbände sind mit im Boot

Darmstädter Straße Donnerstag, 11.04.2013 - 00:00 Uhr

Ge­gen den vier- bis sechs­s­pu­ri­gen Aus­bau der Darm­städ­ter Stra­ße for­miert sich wach­sen­der Wi­der­stand. Bür­ger, Kom­mu­nal­po­li­ti­ker und Ver­t­re­ter von Um­welt­ver­bän­den ar­bei­ten in ei­ner In­i­tia­ti­ve zu­sam­men, um das kul­tur­his­to­ri­sche und na­tür­li­che Er­be der Stadt im Wes­ten Aschaf­fen­burgs zu er­hal­ten. 30 In­ter­es­sier­te ka­men zum Tref­fen am Di­ens­tag ins Wein­haus Steg­mann, vie­le wei­te­re muss­ten aus Platz­man­gel wie­der ge­hen.

Wie berichtet, hegt das staatliche Bauamt Pläne für einen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 26/Darmstädter Straße zwischen Waldfriedhof (Hafenzufahrt West) und der Brücke über die Hafenbahn, die 1,3 Kilometer weiter stadteinwärts liegt. Durch lange Abbiege- und Einfädelspuren an den Hafenzufahrten West und Mitte sowie an der Schönbuschzufahrt ergeben sich zum Teil fünf bis sechs Fahrstreifen.
Ein Kritikpunkt: die Mauer
Die Verbreiterung ist nach Norden, zum Hafen geplant. Dort verläuft die historische Pappelreihe, der die Straße den Namen »Schönbuschallee« verdankt. Das Bauamt hatte zwar angekündigt, die neuen Fahrspuren jenseits der Alleezeile anzulegen, die Pappeln also in einem Grünstreifen in der künftigen Fahrbahnmitte zu erhalten oder neu zu pflanzen. Doch nach den Plänen beschränkt sich der Grünstreifen auf eine Baumreihe von allenfalls 500 Meter Länge.
Der Park Schönbusch soll unangetastet bleiben. Allerdings sehen die Pläne eine Schutzwand mit einer Länge von 900 Metern und einer Höhe von vier Metern vor, die den Parkbesuchern als Lärmschutz und den Fledermäusen als Überflughilfe dienen soll. Diese Mauer stieß beim Treffen der Bürgerinitiative auf höchstes Unverständnis - zumal Bund und Land den lärmgeplagten Menschen im Stadtteil Leider bisher jeglichen Schallschutz an der B 26 versagen.
Auf mehreren Wegen versuchen die Bürgerinitiative und die Verbände, die sich ihr angeschlossen haben, den aus ihrer Sicht völlig überzogenen Straßenausbau, den Verlust der Bäume und des Alleecharakters sowie die »absurde« Schutzwand zu verhindern.
Zum einen nutzen sie die Möglichkeiten, die ihnen das Genehmigungsverfahren für die Pläne (»Planfeststellung«) eröffnet: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Altstadtfreunde, der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz haben bereits Einsprüche erhoben.
Politischer Einfluss
Zum anderen will die Bürgerinitiative auch politisch Einfluss nehmen. Die Grünen und die Kommunale Initiative hatten sich schon im Planungs- und Verkehrssenat des Stadtrats gegen die Ausbaupläne gewandt, sie wirken nun in der Bürgerinitiative mit, KI-Stadtrat Johannes Büttner sogar als einer der Sprecher.
Die SPD hatte den Plänen im Planungs- und Verkehrssenat zwar zugestimmt. Da zeichnet sich jedoch ein Umdenken ab. Der SPD-Ortsverein Stadtmitte unterstützt die Bürgerinitiative, für den Parteitag am Freitagabend kündigte er einen Antrag an, wonach sich der SPD-Stadtverband gegen die Ausbaupläne wenden soll.
Außerdem hatte die SPD-Fraktion ihre Zustimmung an die Vorgabe geknüpft, dass es über den jetzt geplanten Abschnitt hinaus keinen Ausbau der Darmstädter Straße geben dürfe. Genau der ist aber beabsichtigt, wie eine Auskunft der Grünen-Landtagsfraktion belegt: Der Freistaat will den vierspurigen Ausbau zwischen Waldfriedhof und B 496 in den Verkehrswegeausbauplan des Bundes aufnehmen lassen. Und dass die neue Fuß- und Radwegunterführung am Auweg weiter stadteinwärts für einen vierspurigen Ausbau ausgelegt ist, hatte sich bereits in der Senatssitzung herausgestellt.
Von dieser Salamitaktik der staatlichen Behörden habe sich offensichtlich nicht nur die Stadtrats-SPD schon »über den Tisch ziehen lassen«, wie Büttner vermutete, sondern auch OB Klaus Herzog. Der habe vor seiner ersten Wahl 2000 den Bürgern schriftlich versprochen, dass es mit ihm keinen vierspurigen Ausbau der Schönbuschallee geben werde.
Ortstermin am 27. April
Für Andreas Schubring, Sprecher der Bürgerinitiative, ist es wichtig, dass sich im Stadtrat eine Mehrheit gegen die Ausbaupläne findet. Die Einwände im Genehmigungsverfahren hätten, wie oft bei solchen Projekten, wenig Aussicht auf Erfolg. Dagegen sei es unvorstellbar, dass Bund und Land die geplante Autobahn gegen den Willen der Stadt durchsetzten.
Die Hafenzufahrten und der Verkehrsfluss ließen sich mit Alternativen verbessern, die ohne den überzogenen Ausbau auskämen. Vielen Bürgern sei das gewaltige Ausmaß unbekannt. Das will die Bürgerinitiative ändern: Bei einem Ortstermin am Samstag, 27. April, 15 Uhr, an der Schönbuschzufahrt, will sie die Breite der geplanten Straße und die Höhe der Mauer verdeutlichen. Das öffentliche Treffen soll auch als Demonstration dienen, akustisch unterstützt von den Friedenstrommlern.
Peter Freudenberger

Ort des Artikels

Aschaffenburg

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