Sonntag, 02.08.2015

100 Meter hohe Rauchsäule - Einsatzkräfte verhindern Explosion

Mehrere hunderttausend Euro Schaden

Großbrand in Aschaffenburg-Leider Freitag, 08.03.2013 - 00:00 Uhr

Die 100 Me­ter ho­he Rauch­wol­ke ragt senk­recht in den Him­mel, sie ist von Wei­tem zu se­hen und er­sch­reckt An­woh­ner und Au­to­fah­rer glei­cher­ma­ßen: Ei­ne La­ger­hal­le der Recyclingfirma Bern­hard We­starp in der Ha­fen­rand­stra­ße hat am Donnerstag lich­ter­loh in Flam­men ge­stan­den. Bis zu 100 Ton­nen zu Bal­len ge­press­te Tit­an­spä­ne sind ver­brannt. Ei­ne dro­hen­de Ex­p­lo­si­on ha­ben die Ret­tungs­kräf­te ver­hin­dert.


Zu den Bilderserien und Videos am Ende der Reportage

Um 10.46 Uhr wurde der Brand gemeldet. Mitarbeiter der Firma hatten das Feuer entdeckt. Vier Minuten später ist die Feuerwehr da. Philipp Stenger ist einer der Ersten vor Ort beim Großbrand im Aschaffenburger Hafen. Als Stenger und seine Kollegen in die Halle eilen, befürchtet die Feuerwehr noch, dass die Flammen auf ein Magnesiumlager übergreifen und es zur Explosion kommt.

Entwarnung gegen Mittag
Der 25-jährige Feuerwehrmann hat »Respekt« vor dem Feuer, aber keine Angst. »Angst darf man nicht haben, wenn man da rein geht. Man muss einen kühlen Kopf haben und wissen, was man macht.«

Stenger und seine Kollegen tragen Atemschutzmasken. Die Feuerwehrleute kühlen bis zum Nachmittag eine Brandschutzwand mit Wasser und Schaum, um eine Explosion zu verhindern. Bagger laden derweil Magnesium auf Laster. Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Firma Westarp sorgen dafür, dass die 100 Tonnen Magnesium in Sicherheit gebracht werden. Gegen 12.50 Uhr gibt die Polizei Entwarnung: Die Brandschutzwände seien so weit abgekühlt, dass die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen ausschließen könne.

100 Feuerwehrleute aus Stadt und Kreis Aschaffenburg sind im Einsatz. Die Löscharbeiten erweisen sich als schwierig. »Mit den traditionellen Mitteln der Feuerwehr können wir bei einem Metallbrand nichts machen«, sagte der Aschaffenburger Stadtbrandinspektor Walter Fleckenstein. Bis zu 2000 Grad Celsius heiß wird das brennende Titan. Würde es mit Wasser in Verbindung kommen, gäbe es Knallgasexplosionen. Solche Brände müssen deshalb mit Metalllöschpulver oder trockenem Zement erstickt werden.

Deswegen rollt Reinhold Batz mit seinem Laster an. Der Berufskraftfahrer hat 28 Tonnen trockenen Zement geladen, die er eigentlich nach Lohr am Main bringen sollte. Kurzfristig wird umdisponiert: Nun soll aus dem Baustoff Löschmaterial werden.

28 Tonnen Zement geordert
Batz wartet auf seinen Einsatz. Bekommt der 59-Jährige ein Zeichen, fährt er den Laster vor und der Zement wird mit zwei Bar auf das brennende Titan gepumpt. Reinhold Batz wartet geduldig - sein Zement wird aber nicht gebraucht. Die Titanballen brennen von alleine aus. Der 59-Jährige darf weiterfahren - der Zement geht nun doch nach Lohr.

Löschschaum regnet vom Himmel, Manfred Reisert steht vor seinem Haus, nur einen Steinwurf vom Firmengelände entfernt. »Klar hatte ich Angst, als ich die Rauchsäule gesehen habe«, sagt der 77-Jährige, der 1950 in der Hafenrandstraße sein Haus gebaut hat. »Einmal ist bei einem Brand ein Stück Dachpappe zu uns rüber geflogen. Da habe ich schon Sorge, dass so etwas wieder passiert.«

Die gute Nachricht: Verletzt wird beim Brand niemand, alle Mitarbeiter haben sich in Sicherheit gebracht, das Gelände wird abgeriegelt. Gegen 16 Uhr meldet die Polizei, dass der Großbrand im Aschaffenburger Hafen gelöscht ist. Die umliegenden Wohnhäuser im Aschaffenburger Hafengebiet müssen nicht evakuiert werden. In der Staatlichen Berufsschule III hat es am Vormittag eine Durchsage gegeben, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, ob die Luftschadstoffbelastung gefährlich ist. Laut den Spezialisten der Feuerwehr liegen die Messwerte aber »weit unter den zulässigen Grenzwerten«, so dass von den Rauchwolken keine Gefahr für die Bevölkerung ausgeht.

Halle droht einzustürzen
Bis zum Abend bekämpft die Feuerwehr aber noch einzelne Glutnester. 20 Tonnen Stoffballen glimmen vor sich hin. Die Feuerwehrleute löschen sie von außen. Wegbringen können sie das Recyclingmaterial nicht - die Halle droht einzustürzen und darf nicht mehr betreten werden.

Die hohen Temperaturen des Metallbrands haben tragende Elemente der Halle sehr stark beschädigt. Die Polizei befürchtet bei einem Einsturz aber keine zusätzlichen Schäden, da die Halle wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen und keine umliegenden Gebäude treffen würde. Die Feuerwehr hält die ganze Nacht Brandwache. Derweil übernimmt die Aschaffenburger Kriminalpolizei die Ermittlungen.

An dem für sie so schwarzen gestrigen Donnerstag wollte sich die Geschäftsleitung der Firma Westarp nicht zum Großbrand äußern. Fee Berthold
 

Bilderserien vom Großbrand:


Bilderserie von unserem Fotografen Stefan Gregor

Bilder von unseren Lesern Marina Huber, Arthur Silmen und Karl Brendler

Bilderserie von unserem Fotografen Ralf Hettler

Videos vom Großbrand:

Video von Marina und Oliver Huber aus Aschaffenburg-Leider, gefilmt von ihrem Balkon aus

 

Video von unserem Reporter Ralf Hettler


Ort des Artikels

Aschaffenburg

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