Mittwoch, 29.07.2015

Wenn Facebook zum Alptraum wird - Festnahme in Klingenberg

Mann lockt Mädchen bei Aschaffenburg ins Auto Freitag, 01.02.2013 - 00:00 Uhr

Es ist der Alptraum al­ler El­tern im In­ter­net-Zei­tal­ter: Ein Mann kon­tak­tiert un­ter fal­schem Na­men auf Fa­ce­book Kin­der, er­zählt ih­nen von Fo­tos, die er für ein Ge­winn­spiel von ih­nen schie­ßen wol­le - und holt sie zu Hau­se ab.

So geschehen am Mittwoch bei Aschaffenburg: Zwei elf und zwölf Jahre alte Mädchen steigen ins Auto eines 21-Jährigen und fahren ins 40 Kilometer entfernte Klingenberg (Kreis Miltenberg). Dort nimmt die Polizei den Mann fest.
Kinder unversehrt, Mann frei
Die beiden Mädchen aus dem Ort bei Aschaffenburg sind offenbar unversehrt. Ob ihnen oder anderen Kindern - die der 21-Jährige aus dem Kreis Miltenberg nach Polizeiangaben ebenfalls auf Facebook um Fotos gebeten hatte - überhaupt etwas von strafrechtlicher Relevanz angetan wurde, ist noch völlig unklar: Der Mann ist nach einer Durchsuchung seiner Wohnung sogar schon wieder auf freiem Fuß. »Seine Motive sind noch Gegenstand der Ermittlungen«, sagte gestern Michael Zimmer, Sprecher im Polizeipräsidium Würzburg.
Dort ist man sich anscheinend der Brisanz des Falls bewusst - und ist entgegen der Gepflogenheiten an die Öffentlichkeit gegangen, obwohl es noch keinen Hinweis auf irgendeine Straftat gibt. Wohl deshalb und aus ermittlungstaktischen Gründen bleiben einige Details vorerst offen.
Gewinnspiel: Vater misstrauisch
Der Polizeisprecher kann aber schon so viel berichten: Gegen 16 Uhr am Mittwoch steigen die Elfjährige und ihre ein Jahr ältere Freundin ins Auto des Fremden, der sie zuvor damit gelockt hat, sie für ein Radio-Gewinnspiel fotografieren zu wollen. Diese offenbar zunächst plausible Geschichte tischt er auch dem Vater der Zwölfjährigen auf, den er sogar noch am Wohnhaus der Familie des Mädchens trifft.
Während der 21-Jährige mit den Kindern im Auto Richtung Klingenberg fährt, wird der Vater des älteren Mädchens doch misstrauisch. Er ruft bei dem Radiosender an und erkundigt sich nach dem ominösen Gewinnspiel. So eine Aktion gebe es gar nicht, heißt es dort sinngemäß. Der Mann alarmiert sofort die Polizei.
Kurz darauf ruft er seine Tochter auf dem Handy an: Wo seid ihr? Was macht ihr? Das Mädchen im Auto - über das Fahrtziel macht die Polizei keine Angaben - reicht das Telefon an den Mann am Steuer weiter. Der befolgt offenbar, aus welchen Gründen auch immer, ohne große Diskussion die Aufforderung des Vaters: Bleiben Sie stehen! Warten Sie auf die Polizei!
Schreckschusspistole im Auto
Kurze Zeit später, um 16.45 Uhr, nimmt die Obernburger Polizei den Mann im Klingenberger Ortsteil Trennfurt fest. In seinem Auto finden sie eine Schreckschusspistole. Die Mädchen können nach Hause. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Kreis Miltenberg beschlagnahmen die Ermittler einen Computer sowie zahlreiche elektronische Datenträger wie USB-Sticks. All das Material müsse nun von Spezialisten ausgewertet werden, so Polizeisprecher Zimmer. Erst dann könne man sicher sagen, wie und ob der 21-Jährige zu noch mehr Kindern Kontakt gesucht hat. Entsprechende Angaben habe er jedenfalls gemacht.
Die Polizei nutzt den Fall zur Warnung von Eltern und Kindern vor Gefahren im Internet. In Chats oder Netzwerken wie Facebook solle man unter anderem stets misstrauisch und vorsichtig agieren. Jens Raab

bTipps zum sicheren Surfen: medienkompetenz.polizei-beratung.de

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