Dienstag, 01.09.2015

Mädchen-Schlägerei nicht verabredet

Jugendgewalt: Erste Erkenntnisse über Eifersuchtsstreit zwischen 14- und 16-Jähriger, der am Hauptbahnhof eskaliert ist

Jugendgewalt Dienstag, 11.12.2012 - 00:00 Uhr

Die gu­ten Nach­rich­ten vor­weg: Die 14-Jäh­ri­ge, die vor zwei Wo­chen am Aschaf­fen­bur­ger Haupt­bahn­hof von ei­ner Mäd­chen­c­li­que zu­sam­men­ge­schla­gen wur­de, hat die Kin­der­k­li­nik ver­las­sen kön­nen. Zu­dem ha­ben ent­ge­gen ers­ter Mel­dun­gen meh­re­re um­ste­hen­de Ju­gend­li­che ein­ge­grif­fen, ei­ni­ge Tä­te­rin­nen ha­ben sich bei ih­rem Op­fer im Kli­ni­kum so­gar ent­schul­digt.

Dennoch bleiben viele Fragen offen in dem verstörenden Fall von Gewalt unter Mädchen.
Bis zu neun Verdächtige
Um sie zu beantworten, hat die Aschaffenburger Polizei - wie berichtet - eine Ermittlungskommission eingerichtet. Doch weil so viele Zeugen und mutmaßliche Täterinnen zu vernehmen sind, halten sich Staatsanwaltschaft und Polizei noch zurück mit Informationen - »aus ermittlungstaktischen Gründen«.
So gibt es weiter keine Auskunft zu der Schule, von der sich das Opfer und alle Täterinnen her kennen. Nach unbestätigten Informationen unserer Zeitung handelt es sich um die Aschaffenburger Gesellschaft zur beruflichen Förderung. Man hat es offenbar mit sieben bis neun tatverdächtigen Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren zu tun, die mit einer Reihe von sozialen Problemen zu kämpfen haben.
»Aussprache« online verbreitet
Außerdem scheint mittlerweile klar, dass sie sich nicht zum Angriff verabredet hatten. Vielmehr soll die Schlägerei eher zufällig zustande gekommen sein. Wie die Polizei gestern bestätigte, hatten sich zwei Schülerinnen, die kurzzeitig den selben 16-jährigen Freund hatten, zu einer »Aussprache« an jenem Montagnachmittag verabredet: die 14-Jährige aus dem Kreis Aschaffenburg, das spätere Opfer, sowie ihre 16-jährige Mitschülerin, die als Haupttäterin gilt.
Offenbar hat aber mindestens eines der beiden Mädchen dieses Treffen am Hauptbahnhof auf Facebook oder einem anderen Online-Netzwerk »gepostet«, also im Internet einem größeren Kreis an Bekannten mitgeteilt. So muss es dazu gekommen sein, dass zu dem als Aussprache unter vier Augen geplanten Treffen plötzlich viel mehr Mädchen kamen, die sich alle aus der Schule kennen.
Gehirnerschütterung und Prellung
Der »anfänglich verbale Schlagaustausch der beiden Rivalinnen«, so die Polizei, eskalierte dann: Offenbar ergriffen im Laufe des Streits alle oder die meisten Partei für das ältere der zankenden Mädchen. Bislang sind laut Polizei fünf Täterinnen bekannt. Die 14-Jährige soll mehrere Ohrfeigen erhalten haben und Schläge in den Magen. Erste schockierende Hinweise, wonach auf sie eingetreten wurde, während sie am Boden lag, haben sich laut Polizei nicht bestätigt. Allerdings soll die Schülerin heftig gewürgt worden sein. Sie erlitt jedenfalls eine Gehirnerschütterung, Prellungen und einen Schock.
Anders als ersten Meldungen der Bundespolizei zufolge spielte sich die Szene nicht am Haupteingang des Bahnhofs ab, sondern im unübersichtlichen Bereich Richtung Busbahnhof: zwischen Mc Donald’s und Radstation. Das erklärt, warum anscheinend keine Unbeteiligten einschritten - die Prügelei fand in einer Art Gang statt, kaum einsehbar.
Nach Entschuldigung neuer Streit
Laut Polizei haben Jugendliche nicht nur den Streit beendet, aus der Mädchenclique selbst wurde auch der Sicherheitsdienst des Bahnhofs verständigt. Weiteres Zeichen dafür, dass gesellschaftsfähige Wertvorstellungen bei den Mädchen vorhanden sind: Drei von fünf Täterinnen haben die Verletzte im Klinikum besucht und sich bei ihr entschuldigt. Zwei Tage später soll es schon aber erneut zu Handgreiflichkeiten zwischen zwei Mädchen aus der Clique gekommen sein. Dazu ermittelt die Polizei nun auch.
Jens Raab

Lesen Sie dazu auch unter Experteninterview: »Eifersucht ist oft Auslöser von Gewalt bei Mädchen«

Ort des Artikels

Aschaffenburg

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