Sonntag, 30.08.2015

Hoffen auf die zweite Gemeinschaft

Mehrgenerationenhaus: Verein Wige und Stadtbau wollen ehemaligen US-Block - Warten auf Antwort des Verkäufers

Aschaffenburg Freitag, 28.09.2012 - 00:00 Uhr

Meist­bie­tend hat die Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben (Bi­ma) ehe­ma­li­ge Wohn­b­locks der US-Ar­my an Pri­vat­in­ves­to­ren ver­kauft. Der Ve­r­ein Woh­nen in Ge­mein­schaft (Wi­ge) und die Stadt­bau GmbH gin­gen bis­her leer aus bei ih­rem Ver­such, in Aschaf­fen­burg ge­mein­sam ei­ne zwei­te Mehr­ge­ne­ra­tio­nen-Haus­ge­mein­schaft zu grün­den. Das könn­te sich jetzt än­dern.

Der Reihe nach. Die Bima ist Eigentümerin der ehemaligen Grundstücke und Wohnblöcke der amerikanischen Streitkräfte in Aschaffenburg. Die meisten dieser Objekte hat sie bereits verkauft. In einem ehemaligen US-Block in der Spessartstraße haben Wige und Stadtbau ihr erstes Mehrgenerationenprojekt mit 26 Wohnungen verwirklicht. Im Frühjahr 2011 sind die Mieter eingezogen.
Für 1000 Menschen
Aktuell geht es um das neue Wohngebiet Spessartgärten, ehemals Teil einer Wohnsiedlung der US-Army. Entstehen sollen in den Spessartgärten zwischen Spessart-, Medicus-, Schober- und Mattstraße bis zu 450 Wohnungen auf sechs Hektar, Platz für 1000 Menschen (wir berichteten).
Die Vermarktung läuft, abschnittsweise verkauft die Bima Gebäude und Grundstücke. Auch der Verein Wige und die Stadtbau, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, haben Interesse bekundet: Ein Block in diesem Gebiet nahe des bestehenden Wige-Projekts wäre für eine zweite, generationenübergreifende Hausgemeinschaft optimal, sagen Ursula Asp und Gertraud Benzin vom Verein Wige. Jürgen Steinbach, Geschäftsführer der Stadtbau, sieht das auch so.
Er hat Angebote für Blocks und freie Grundstücke in den Spessartgärten bei der Bima abgegeben. Vergeblich. »Wir sind klar überboten worden«, so Steinbach. Private Investoren sind im Spiel. Für den doppelten Preis seien Objekte weggegangen.
Wichtig: öffentliche Aufgabe
Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Denn: Im März hat der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen, dass die Bima Konversionsgrundstücke an Kommunen verkauft - zum Gutachterwert, ohne Bieterverfahren. Die Rede ist vom Erstzugriff für Städte und Gemeinden.
In Verbindung damit steht, dass die Bima ehemalige Militärflächen bevorzugt an Kommunen veräußern kann, wenn damit eine öffentliche Aufgabe erfüllt wird. Das zumindest geht aus einem Schreiben des bayerischen Sozialministeriums an den Aschaffenburger Landtagsabgeordneten Winfried Bausback (CSU) hervor, den der Verein Wige für seine geplante, zweite Hausgemeinschaft eingeschaltet hat. Das Ministerium teilt mit, ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt diene der Daseinsvorsorge und könne als öffentliche Aufgabe angesehen werden.
Steinbach von der Stadtbau GmbH hofft nun, doch noch zum Zug zu kommen. Er denkt an insgesamt fünf US-Wohnblöcke in den Spessartgärten. Diese habe die Bima noch nicht zum Verkauf angeboten, die Vermarktung gehe erst Ende des Jahres weiter.
Und was sagt die Bima? Grundsätzlich sei man gehalten, unternehmerisch zu handeln und meistbietend zu verkaufen, so Larissa Komnick von der Bima in Würzburg. Sie beruft sich auf das Bima-Einrichtungsgesetz und die Bundeshaushaltsordnung.
Ob die Stadtbau nun Wohnblöcke kaufen kann, ohne gegen Investoren antreten zu müssen? Dazu will Komnick nichts sagen. Grund: Der Verein Wige hat sich an den Bundestagsabgeordneten Norbert Geis (CSU) gewandt. Der wiederum hat der Bima zu diesem Thema einen Brief geschrieben. Man werde Geis in den nächsten Tagen antworten, so Komnick, und dann an die Öffentlichkeit gehen.
Derweil laufen im Rathaus die Fäden zusammen. Gestern gab es ein Treffen: Stadtbau-Chef, Oberbürgermeister, Wige. Sie haben den aktuellen Stand diskutiert und wollen bei der Bima vorstellig werden.
Steinbach von der Stadtbau GmbH sagt: »Aschaffenburg braucht neue Wohnungen.« Ziel sei es, den öffentlich geförderten Wohnungsbau voranzubringen - für Studenten, Mehrgenerationen-Projekte, große Familien, Senioren. In acht Jahren gebe es in der Stadt 3500 Haushalte mehr als heute, Stichwort »Singlehaushalte«. »Der Wohnungsmarkt in Aschaffenburg ist dicht.« Matthias Schwind

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Aschaffenburg

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