Donnerstag, 02.07.2015

»Eine wunderbare Berufung«

Porträt: Romy Kalb-Gundermann organisiert letztmals städtische Adventsgala - Als Sängerin zieht sie auf einer CD Bilanz

Aschaffenburg
Samstag, 28. 11. 2009 - 00:00 Uhr

»Musik ist das Lebenselixier schlechthin«, behauptet Romy Kalb-Gundermann. Und mit der Emphase, mit der die Sängerin und Konzertorganisatorin diesen Satz betont, glaubt man ihr aufs Wort. Die Adventsgala am Sonntag in der Stadthalle wird ihre letzte sein. Nach zehn Jahren gibt die 75-Jährige die Organisation ab.

Auch in anderer Hinsicht zieht die Aschaffenburgerin Bilanz. Unter dem Titel »Musikalische Erinnerungen« gibt sie zeitgleich eine CD mit 16 Liedern ihres eigenen musikalischen Schaffens heraus. Darunter Mitschnitte von Auftritten bei den Salzburger Festspielen, wo sie das »Agnus Dei« von Mozarts Krönungsmesse sang. Auch eine Kantate mit den Münchner Philharmonikern ist darunter.
Den Zugang zur Musik eröffneten die Eltern. Der Vater war musisch veranlagt. Die Mutter hat gerne gesungen. »Ich habe das Singen als das Natürlichste auf der Welt erlebt«, erinnert sie sich. Prägende musikalische Erlebnisse seien die musikalischen Gottesdienste und Konzerte in der Stiftskirche gewesen. »Noch heute hat sakrale Musik für mich eine besondere Bedeutung.«
Ihr gesangliches Talent wurde schon früh bemerkt. Gemeinsam mit ihrer Zwillings-Schwester Karin (Brass) sang Romy als 13-Jährige in dem Märchenfilm »Hänsel und Gretel«.
Nach dem Abschluss an der Oberrealschule lernte sie ihren späteren Ehemann Alfred Kalb kennen, der ihre Liebe zur Musik teilte. Der ambitionierte Pianist verzichtete auf eine künstlerische Laufbahn, um die elterliche Hemden-Firma zu übernehmen. Aber er überzeugte seine Frau, den Weg als Sängerin einzuschlagen.
Die zweifache Mutter studierte Gesang in Frankfurt und München. »Morgens zwei Stunden und abends zwei Stunden«, beschreibt sie ihr Pensum. 1959 debütierte sie mit einem Liederabend im Aschaffenburger Stadttheater, danach ging es auf der Karriereleiter bergauf.
»Stimme von großer Leuchtkraft«
Sie gewann Wettbewerbe und sang in den folgenden Jahrzehnten in den großen Konzertsälen Deutschlands und dem benachbarten Ausland: Allein 30 Mal gastierte sie in der Berliner Philharmonie, bei den Salzburger Festspielen sang sie in Mozarts »Krönungsmesse«, im Kaiserdom in Frankfurt war sie häufiger zu hören und sie spielte Schallplatten ein.
Kritiker lobten ihr besonderes Timbre, die Weichheit ihres Gesangs und dessen »große Leuchtkraft«. Als »Botschafterin des deutschen Lieds« war sie im Auftrag des Goethe-Instituts in Indien und Ägypten auf Tournee.
Später sang sie auch tiefere Partien und gab Chansonabende. Anfang der 1990-er Jahre zog sie sich von der Konzertbühne zurück: »Sänger zu sein, ist eine wunderbare Berufung, aber auch die schwerste, da sie stets von Körper und Psyche abhängig ist.«
Bereits in den 1980-er Jahren hatte sich die Sängerin als Organisatorin von Benefizkonzerten, darunter der Reihe Ecco des Zonta-Clubs, ein weiteres Betätigungsfeld erschlossen. Die Förderung von Musikern liegt ihr bis heute am Herzen. Sie veranstaltete Gedenkkonzerte im Namen ihres verstorbenen Freundes und künstlerischen Weggefährten Hans-Joachim Erhard.
1999 rief sie die Konzertreihe Aschaffenburger Advent und 2003 das Frühjahrskonzert »Wenn die Magnolien blüh'n« ins Leben. Ihr Mann unterstützte sie dabei. Veranstalter war die Stadt Aschaffenburg. »Das Programm war stets handverlesen«, sagt sie. Sie habe fast ausschließlich Künstler verpflichtet, die sie selbst erlebt habe. Beide Konzertreihen liegen künftig in anderen Händen.
Der Erlös der CD, die beim Adventskonzert und in Aschaffenburgs Buchhandlungen erhältlich sein wird, soll dem Philharmonischen Verein zugute kommen, der mit dem Geld junge Musiker fördert.
Alexander Bruchlos

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