Sonntag, 05.07.2015

Kein Schubsen und kein Drängeln

Schulbus: Anna-Lena Sprater und Nikoleta Karadenizi sorgen als Lotsinnen in Elsenfeld für Ruhe und Disziplin

Elsenfeld
Dienstag, 11. 12. 2012 - 19:48 Uhr

Es ist Mon­tag, 13 Uhr. An der Schul­bus­hal­te­s­tel­le in Rück-Schip­pach drän­gen sich wie je­den Tag rund 40 Schü­ler der fünf­ten und sechs­ten Klas­sen. An­na-Le­na Sp­ra­ter und Ni­ko­le­ta Ka­ra­de­ni­zi ste­hen an der vor­de­ren Tür des Schul­bus­ses und ach­ten dar­auf, dass beim Ein­s­tei­gen nie­mand drän­gelt und sich im Bus al­le Schü­ler auf ih­re Plät­ze set­zen.

Die beiden 15-jährigen Mädchen gehen in die neunte Klasse der Georg-Keimel-Mittelschule Elsenfeld und sind Schulbuslotsinnen.
»Setz dich auf deinen Platz«, sagt Anna-Lena mit fester Stimme zu einem Jungen, der zwischen den Sitzreihen des Busses herumturnt. Weil der Junge keine Anstalten macht, der Aufforderung nachzukommen, nimmt Anna-Lena ein Blatt Papier aus der Tasche und notiert sich den Namen des Busakrobaten. Unterdessen redet Nikoleta auf einen anderen Jungen ein, der fortwährend ein Mädchen ärgert. »Lass sie in Ruhe«, fordert Nikoleta ihn auf. Weil der sich nicht beeindrucken lässt, notiert sie auch seinen Namen auf der Liste. Die Zettel mit den Namen übergeben die Schulbuslotsinnen in Elsenfeld der Schulleitung.
Jeder Schüler soll sitzen
Streitereien verhindern und für Sicherheit im Schulbus sorgen - das sind die Aufgaben der beiden Mädchen. »Wir passen auf, dass die Schüler keinen Unfug machen«, erzählt Nikoleta. Am häufigsten komme es vor, dass sich die Schüler untereinander ärgern, beleidigen oder miteinander rangeln. »Oder sie turnen im Bus herum und bleiben nicht auf ihren Plätzen sitzen«, ergänzt Anna-Lena. Dabei sei es besonders wichtig, dass jeder sitzt, weil es gefährlich ist, wenn der Busfahrer bremsen muss. »Außerdem lenkt es den Busfahrer ab, wenn die Schüler herumturnen«, meint Nikoleta.
Busfahrerin Bernadett Jung ist froh, dass es die Schulbuslotsen gibt, auch wenn sich nicht alle Schüler an das halten, was ihnen gesagt wird. Als Busfahrerin habe sie eine große Verantwortung. »Ich muss mich auf den Verkehr konzentrieren und kann nicht gleichzeitig kontrollieren, was hinter meinem Rücken passiert«, so Jung.
Montags ist am meisten los
Montags ist im Bus am meisten los, wie Anna-Lena und Nikoleta aus eigener Erfahrung wissen. »Viele sind nach dem Wochenende richtig aufgedreht und wollen schnell nach Hause«, sagt Anna-Lena. Mitte der Woche ginge es dann meist wieder ruhiger und geregelter zu. Den beiden Mädchen ist bewusst, dass sie nicht sehr viel mehr machen können, als den Namen zunotieren, wenn ein Störenfried nicht hören will. »Es gibt auch Schüler, die meinen, dass es besonders cool ist, wenn sie uns ignorieren«, erzählt Nikoleta.
Der elfjährige Dennis Elbert findet es dagegen gut, dass es Schulbuslotsen gibt. »Besonders beim Einsteigen wird schon mal gedrängelt und die jüngeren Schüler werden weggeschubst«, erzählt der Sechstklässler.
Umso wichtiger sei es da, konsequent zu sein und die Aufsicht nicht schleifen zu lassen, betont Anna-Lena Sprater. »Da sage ich lieber öfter etwas.« Kurz darauf bekommt sie von einem Jungen ein »Halt’s Maul« zugerufen, als sie ihn bittet sich hinzusetzen. »Darauf reagiere ich nicht so lieb«, ärgert sich die 15-Jährige. Noch ein Name landet auf der Liste.
Keine Streitschlichter
Auch wenn sich die Lotsen bemühen, im Bus für Ordnung zu sorgen, seien sie keine Streitschlichter, wie Konrektor Volker Göbel betont. Diese Aufgabe übernehme die Schulleitung, die gegebenenfalls mit den Schülern spricht. »Da kann es sein, dass es auch mal Konsequenzen gibt«, sagt Schulleiter Harald Frankenberger. Im schlimmsten Fall könne der betreffende Schüler von der Beförderung mit dem Schulbus ausgeschlossen werden. »Bisher mussten wir aber noch nicht die kompletten erzieherischen Maßnahmen anwenden«, so Frankenberger, »ein solches Vorgehen müssen wir schließlich auch vor den Eltern rechtfertigen.«
Für den Lotsendienst haben sich Anna-Lena Sprater und Nikoleta Karadenizi freiwillig gemeldet. »Mir macht es sehr viel Spaß«, so Nikoleta. Letztes Jahr war sie schon Schülerlotsin und hat Jüngeren über die Straße geholfen. Und auch Anna-Lena hat sich bereits für andere eingesetzt. »Ich bin sehr hilfsbereit und engagiere mich auch außerhalb der Schule im Hilfsdienst«, sagt sie.
Angenehmer Nebeneffekt ihrer Bemühungen: Am Ende des Schuljahres erscheint im Zeugnis eine positive Bemerkung über ihre Arbeit. »Das ist sicherlich hilfreich bei der Suche nach einer Lehrstelle«, bemerkt Anna-Lena. Daneben zählt für Nikoleta noch ein anderer Aspekt: »Die Eltern sollen beruhigt sein, weil sie wissen, dass ihre Kinder einen sicheren Schulweg haben.« Martin Roos

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