Donnerstag, 02.07.2015

BJV sucht Kompromiss mit Mainbullauern

Teilnehmer der Bürgerversammlung lehnen Erweiterung ab - Schusszahlen bleiben unklar

Schießanlage Mainbullau
Freitag, 08. 03. 2013 - 00:00 Uhr

3600 Schuss oder 20.000 Schuss an Wettkampftagen? Darf werktags durchgehend von 9 bis 20 Uhr geschossen werden? Sollen mehrere Schießstände verlängert werden? Fast drei Stun­den lang ha­ben Bür­ger des Mil­ten­ber­ger Höh­en­or­tes Mainbullau am Mitt­woch­a­bend mit dem Vor­stand des Baye­ri­schen Jagd­schutz­ve­r­eins (BJV) Mil­ten­berg über die Schießanlage dis­ku­tiert. Inhaltlich näher kamen sich die beiden Seiten nicht.

We­nig Er­hel­len­des zu den Plä­nen für die Schieß­an­la­ge, da­für die Be­reit­schaft, ge­mein­sam ei­nen Kom­pro­miss aus­zu­han­deln: Das ist das Er­geb­nis der Bür­ger­ver­samm­lung am Mitt­woch­a­bend in Main­bul­lau. Fast drei Stun­den lang ha­ben Bür­ger des Mil­ten­ber­ger Höh­en­or­tes mit dem Vor­stand des Baye­ri­schen Jagd­schutz­ve­r­eins (BJV) Mil­ten­berg dis­ku­tiert.

Beide Seiten gingen sachlich miteinander um; inhaltlich näher kamen sie sich aber nicht.
Anlass war der Antrag des BJV, die erlaubten Schusszahlen von derzeit 1080 auf 2500, an Wettkampftagen von 3600 auf 20.000 zu erhöhen. Außerdem soll werktags durchgehend von 9 bis 20 Uhr geschossen werden dürfen. Seit neuestem will der BJV nun mehrere Schießstände verlängern und einen neu errichten.

Immerhin fanden die gut 40 Teilnehmer der Versammlung alle Platz im Dorfgemeinschaftshaus. Die wenigen auswärtigen Zuhörer brauchte Bürgermeister Joachim Bieber nicht einmal, wie zunächst angedroht, des kleinen Saales zu verweisen. Vorab hatte der Bürgermeister sogar vorsichtshalber den Stadtrat gebeten, auf den Besuch der Veranstaltung zu verzichten, und dafür ausdrücklich seinen Rüdenauer Amtskollegen Udo Käsmann eingeladen.

Keiner will die Stilllegung
Bieber machte klar, er werde nur Gesprächsbeiträge zur baulichen Erweiterungen, zu Betriebszeiten und Schusszahlen zulassen. Bei Fragen zur Entsorgung der Munition und den Auffüllungen sei das Landratsamt zuständig: »Die Stadtverwaltung kann und wird das nicht prüfen.« .

Und noch eines war dem Bürgermeister wichtig: »Es geht hier nicht darum, die Schießanlage zu beseitigen«, betonte er und erläuterte anhand einer langen Reihe von Genehmigungen deren Entwicklung vom ersten Tontaubenschießstand 1971 bis zu den jüngsten Erweiterungsbauten.

Um die Schließung der Anlage ging es den Mainbullauern auch gar nicht. Sondern darum, dass seit der Errichtung des Erdwalls um die Wurftaubenanlage die abgefeuerten Schüsse für sie im Ort lauter wahrnehmbar sind als zuvor. Und dass sie fürchten, dass der Lärm weiter zunimmt, sollte das Landratsamt den Antrag des BJV genehmigen.

So viel wie in Olympia-Anlage
Rüdenaus Bürgermeister Udo Käsmann wunderte sich, dass die Mainbullauer Anlage in etwa gleich lang geöffnet hat und hier mit 20 000 Schuss an Wettkampftagen so viele Auslöser erlaubt sein sollen wie im Olympia-Schießzentrum Garching-Hochbrück, der weltweit größten zivilen Anlage.

BJV-Vorsitzender Ralph Keller erklärte, der Verein habe zunächst so viele Schüsse beantragt, wie das im Rahmen eines Lärmgutachtens möglich war. Die Messungen im Sommer 2012 hätten eine Lärmbelastung von 45 Dezibel ergeben, fünf Dezibel unter dem Grenzwert. Nachdem Proteste gegen das Vorhaben laut geworden waren, habe man in dem Antrag die Maximalzahlen um zwei Drittel gekürzt: auf die nun geforderten Schusszahlen von 2500 und 20.000. Und selbst diese würden nicht ausgeschöpft werden, betonte Keller.

Doch warum verlangt der BJV Miltenberg so hohe Schussmengen und so lange Öffnungszeiten, wenn er sie gar nicht braucht? Immer wieder drängten die Versammelten auf eine eindeutige Antwort, und immer wieder ging Ralph Keller nicht darauf ein. »Sie weichen aus, wenn es um die Zahlen geht«, ärgerte sich Hubert Schneider.

»Es fehlt das Verständnis für unsere Situation, es wird einfach nur auf die Fakten gepocht«, brachte Heinz Kühne den Unmut der Mainbullauer auf den Punkt. Er verwies darauf, dass in den USA Halbautomatikwaffen in Mode kämen. Würden die auch in Mainbullau verwendet, »dann hat man die Schusszahlen schnell erreicht.«

Der Ausbildung der Jäger aus der Region, so der Tenor im Dorfgemeinschaftshaus, wolle man nicht im Wege stehen. Wohl aber zunehmenden Aktivitäten der Sportschützen. Der Argumentation des Vereins, die Erweiterung der Anlage sei notwendig zur Schulung der Jägerschaft, wollten die Mainbullauer nicht so recht glauben. »Das Wort ›Jäger‹ wird hier missbraucht«, sagte Erich Eck. »Ich fürchte, dass das ein Eldorado für Sportschützen ist und wird.«

Auf die Frage von Thomas Gareus, SPD-Stadtrat und Ortssprecher: »Sind wegen der Sportschützen Jäger weggegangen?« antwortete der BJV-Vorsitzende: »Kein einziger.« Als Gareus wissen wollte, ob die Anlage zu einem Schießzentrum für Nordbayern ausgeweitet werden solle, entgegnete Keller: »Das entzieht sich meiner Kenntnis. Wir haben da nichts geplant. Wir bleiben ein Schießstand für die Region.« Allerdings sei es Aufgabe des BJV, auch Sportschützen auf der Anlage trainieren zu lassen: »Wir werden uns nicht von ihnen verabschieden, sie sind Teil unseres Vereins.«

Bürger und Verein verhandeln
Schließlich einigten sich die Versammelten auf Vorschlag des BJV-Ehrenvorsitzenden Wilhelm Gotschy darauf, dass eine kleine Gruppe von Mainbullauern mit dem Schießstandbetreiber einen Kompromiss erarbeitet. Thomas Gareus regte an, auch Vertreter aus Rüdenau und Kleineubach hinzuzuziehen. »Wir haben wenig Chancen, über die Genehmigungsbehörde im Landratsamt etwas zu erreichen«, stellte Karlheinz Paulus fest, »wir können nur auf gegenseitiges Einverständnis bauen.«

Eine kreative Anregung gab Eugen Beierlein: »Den Schützen einen kostenlosen Altersruhesitz in Mainbullau ermöglichen. Dann werden die Schusszahlen ganz schnell sinken.« Sabine Dreher

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