Donnerstag, 30.07.2015

Vorreiter bei der Integration behinderter Schüler

Inklusion:

Schulen in Mönchberg und Faulbach Freitag, 12.10.2012 - 00:00 Uhr

19 Kin­der mit Lern­schwächen und un­ter­schied­li­chen Be­hin­de­run­gen wer­den an der Grund­schu­le Mönch­berg un­ter­rich­tet, an der Mit­tel­schu­le Faul­bach so­gar 28. Die Mönch­ber­ger Rek­to­rin Hil­de­gard Bau­er und ihr Faul­ba­cher Kol­le­ge Jens-Mar­co Scherf ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in­ten­siv da­ran ge­ar­bei­tet, wie »nor­mal be­gab­te« Kin­der und sol­che mit be­son­de­rem För­der­be­darf ge­mein­sam un­ter­rich­tet wer­den kön­nen.

Ihre Konzepte, wie die sogenannte »Inklusion« in die Praxis umgesetzt werden kann, haben überzeugt. Bauer und Scherf haben am Mittwoch im Kuppelsaal der Staatskanzlei in München von Kultusminister Ludwig Spaenle Urkunden bekommen, die ihren Schulen das Profil »Inklusionsschule« verleihen.
Wichtiger als das Papier und der Händedruck des Ministers sind jedoch die zusätzlichen Lehrerstunden über die beide Rektoren seit Schuljahresbeginn verfügen können: 13 sonderpädagogische und zehn normale Lehrerstunden hat das neue Schulprofil gebracht. »Das ist toll, damit kann man unheimlich viel machen«, sagt Hildegard Bauer, ergänzt aber sofort: »Eigentlich müssten das alle kriegen.«
Denn mit Gesetz vom Juli 2011 hat der bayerische Landtag die Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention in Landesrecht umgesetzt und damit praktisch alle Schulen zu Inklusionsschulen gemacht. Allein die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind in eine Förderschule oder in die Regelschule schicken. So werden im Landkreis Miltenberg seit Jahren an weit mehr Schulen als den beiden genannten Inklusionskinder unterrichtet.
Bei der Ausstattung hinkt der Freistaat hinterher. Gerade mal 45 Schulen in ganz Bayern hat das Kultusministerium für das neue Schuljahr die erhöhte Lehrerstundenzahl gebilligt; erstmals sind auch Realschulen und Gymnasien dabei. Damit ist die Zahl der Schulen mit dem Profil Inklusion bayernweit auf 86 angewachsen. Wohl deshalb sagte Minister Spaenle am Mittwoch, dass »inklusive Bildung für alle« nur in einem langfristigen und nachhaltigen Prozess umzusetzen sei: »Wir haben sicher noch viel Entwicklungsarbeit vor uns.«
Vor ihrer Bewerbung um das Schulprofil Inklusion hatten Hildegard Bauer und Jens Marco Scherf zusammen mit ihren Kollegien reichlich Erfahrung gesammelt und sind gerade deshalb vom Inklusionskonzept überzeugt. »Ich brenne für diese Idee. Denn es geht hier nicht allein um die Schule, das Modell ist auch wegweisend für die Gesellschaft.«
Aber der gemeinsame Unterricht von Kindern mit höchst unterschiedlichen Lernvermögen und Tempo ist auch eine Herausforderung für alle Beteiligten. »In den Schulen regieren immer noch Noten und das Leistungsprinzip. Der Inklusionsgedanke fordert aber, jedes Kind so zu nehmen wie es ist«, erläutert Scherf. Deshalb haben beide Schulleiter ihre Bewerbung auf eine breite Basis gestellt: »Gegen den Widerstand meiner Lehrer hätte ich das nie gemacht«, sagt Bauer. Und Scherf ist froh darüber, das in Faulbach das gesamte Schulforum, also auch die Eltern, geschlossen hinter dem Projekt stehen. Wichtig war auch die Unterstützung durch die Gemeinden als Sachaufwandsträger. Denn auf die könnten durchaus Kosten zukommen. So hatte Hildegard Bauer für ein stark sehbehindertes Kind schon vor einigen Jahren ein sogenanntes White Board beschafft. Inzwischen hat die gerade frisch renovierte Schule den modernen Tafelersatz in allen Klassenzimmern, und auch sonst ist die Rektorin mit der Ausstattung zufrieden. Auch in Faulbach, so Scherf habe die Gemeinde zugesichert, für die notwendige Ausstattung zu sorgen. Und bei Bedarf sogar umzubauen. Denn barrierefrei ist die Mittelschule nicht. »Das ist aber noch nicht notwendig, denn wir haben kein Rollstuhlkind«, so der Schulleiter.
Beide Schulen hatten in den vergangenen Jahren eng mit Fachdiensten wie dem mobilen sonderpädagogischen Dienst (MSD), Schulpädagogen oder den Jugendsozialarbeitern zusammengearbeitet. Jetzt haben beide für je drei Tage in der Woche einen Sonderschullehrer vor Ort. »Das ist schon toll«, sagt Scherf.
Es waren aber die Vorleistungen der Schulen, die ihnen jetzt die Urkunde von Ludwig Spaenle eingetragen haben. Die Rektoren hatten mit ihren Bewerbungen umfangreiche Konzepte eingereicht, die Hildegard Bauer in einem knappen Fazit zusammengefasst hat: »An unserer Schule passt alles. Menschlichkeit, Wärme, Mut und der Leitgedanke, dass Pädagogik den Gedanken und der Seele Flügel wachsen lassen kann.« Georg Kümmel

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