Donnerstag, 02.07.2015

Der Drache macht der Schlange Platz

Heute feiern Asiaten in aller Welt den Beginn eines neuen Jahres - Frühlingsfest dauert 15 Tage

Chinesisches Neujahr in Wertheim
Donnerstag, 31. 01. 2013 - 00:00 Uhr

Wenn die Kirch­turm­uhr heu­te Nacht zwölf­mal schlägt, be­ginnt in Wert­heim und im Rest der mit­te­l­eu­ro­päi­schen Zeit­zo­ne das Jahr der Schlan­ge - ge­nau­er ge­sagt das Jahr der Was­ser­schlan­ge. Was­ser ge­hört zu den fünf chi­ne­si­schen Wand­lungs­pha­sen; Holz, Feu­er, Er­de und Me­tall sind die an­de­ren. Die Schlan­ge ist ei­nes der zwölf chi­ne­si­schen Tier­k­reis­zei­chen.

Das schlaue Geschöpf löst den geistreichen Drachen ab, in dessen Zeichen das vergangene Jahr stand.
Wer es zu Beginn des chinesischen Neujahrs richtig krachen lassen will, ist in Frankfurt gut aufgehoben. Dort will die 48-jährige Vietnamesin Le-Thu Huynh, die seit 2005 in Wertheim lebt, den Jahresbeginn feiern. Sobald sie ihr Restaurant Mekong heute Abend schließt, macht sie sich mit ihrer Familie auf den Weg zur vietnamesischen Pagode in Frankfurt. »Dort gibt es ein Feuerwerk«, sagt Le-Thu Huynh. »Und eine Show« fügt ihre Tochter Phuc (19) hinzu. Akrobaten verkleiden sich als Buddha oder Drachen und tanzen durch die Nacht.
Wie in China ist das Neujahrsfest in Vietnam der wichtigste Feiertag. Die Huynhs leben nach dem chinesischen Mondkalender, feiern aber auch westliche Feste. So begrüßen sie das neue Jahr zweimal: am 1. Januar und am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende. Das chinesische Neujahr fällt immer auf einen Tag zwischen 21. Januar und 21. Februar.
Tet nennen die Vietnamesen ihr Neujahr - eine Kurzform für Tet Nguyên Dán, was übersetzt »Fest des ersten Morgens« bedeutet. Essen ist ein wichtiger Bestandteil des Tet-Festes. Die traditionellen Mahlzeiten werden oft tagelang vorbereitet. Le-Thu Huynh legt ein braunes Päckchen auf den Tisch. Ein Gebäck aus Klebreis, Bohnen und Fleisch, eingewickelt in Bananenblätter. Den Neujahrskuchen gibt es an den Feiertagen in jedem vietnamesischen Haus, sagt Huynh. Das Päckchen bereitetet sie vor, weil sie an Neujahr nicht kochen, sondern feiern will. »Den Kuchen kann ich einfach aufschneiden und essen.«
Neben dem Klebreis-Gebäck gibt es zum Jahreswechsel traditionelle Süßigkeiten und Früchte. »Chuc Mung Nam Moi« steht in Gold auf der roten Box, in der orangefarbene Leckereien verpackt sind. »Frohes neues Jahr« heißt das übersetzt.
Weiblich und sinnlich
Mit chinesischen Tierkreiszeichen kennt sich die Vietnamesin nur bedingt aus. Sie weiß, dass die Schlange für Weiblichkeit und Sinnlichkeit steht. Le-Thu Huynh selbst ist Drache, dem sie die Adjektive stark und geistreich zuschreibt. Tochter Phuc ist Hahn - ein Tier, das als besonders stolz gilt.
Huynh legt einen roten Umschlag mit Bären-Aufdruck auf den Tisch. In ein solches Briefchen stecken Eltern zu Neujahr Geld für ihre Kinder. Rot sei überhaupt eine wichtige Farbe, egal ob Geldumschlag, Laterne oder Dekoration. Denn Rot steht für Glück und Wohlstand. Worauf Le-Thu Huynh sonst noch achtet: An Neujahr kehrt sie nicht, sonst würde sie womöglich das Glück aus dem Haus fegen.
Ähnlich wie Chinesen und Vietnamesen starten Menschen in Korea, der Mongolei und Taiwan ins neue Jahr. Das Frühlingsfest, wie der Jahresbeginn auch genannt wird, dauert in China ganze zwei Wochen. Es gibt drei arbeitsfreie Tage. Mit dem Laternenfest am 15. Tag enden die Feierlichkeiten.
»Jahresmonster« vertrieben
Ihr wichtigstes Fest verdanken die Asiaten einem Ungetüm: Einer Legende nach stieg in grauer Vorzeit zu Beginn eines jeden Jahres ein menschenfressendes Monster aus dem Meer oder aus den Bergen. Um dieses Ungeheuer von ihren Siedlungen fernzuhalten, beschlossen die Menschen, zum Jahreswechsel Krach und Feuer zu machen. Außerdem färbten sie alles rot, da das Biest darauf sensibel reagierte. So vertrieben die Menschen das »Jahresmonster« und damit das alte Jahr. Nicole Koller

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