Freitag, 28.08.2015

Erzieherinnen sollen Kindern Münder zugeklebt haben

Vorwürfe gegen Erzieherinnen in Bettingen - Das Stuttgarter Landesjugendamt ist eingeschaltet

Kindergarten Bettingen Mittwoch, 23.01.2013 - 00:00 Uhr

Im städ­ti­schen Kin­der­gar­ten in Bet­tin­gen sol­len zwei Er­zie­he­rin­nen Kin­dern den Mund zu­ge­k­lebt ha­ben. Des­halb er­mit­telt nun das Lan­des­ju­gend­amt Stutt­gart. Die Er­zie­he­rin­nen sind der­zeit bei­de krank­ge­schrie­ben.

In der vergangenen Woche hatte die Stadt Wertheim, die Träger des Kindergartens ist, die Vorwürfe an das Kreisjugendamt in Tauberbischofsheim gemeldet. Das bestätigte dessen Leiter Martin Frankenstein gegenüber unserer Zeitung. Die Überprüfung, ob die Vorwürfe berechtigt sind, übernimmt das Landesjugendamt Stuttgart. Laut Frankenstein sei in der Meldung der Stadt die Rede davon, dass Kindern der Mund mit Tesafilm zugeklebt wurde. Informationen unserer Zeitung zufolge seien Kinder auch eingesperrt worden.

Im Bettinger Kindergarten sind derzeit 23 Kinder angemeldet. Die zwei Erzieherinnen, gegen die sich die Vorwürfe richten, sind momentan beide krankgeschrieben. Eine seit einigen Tagen, die zweite seit gestern. Eine der beiden Frauen arbeitet bereits seit Jahrzehnten im Bettinger Kindergarten, ihre Kollegin seit etwa einem Jahr. Wie es mit den beiden weitergeht, ist noch nicht klar. Seit gestern betreuen zunächst zwei Aushilfen aus der Umgebung die Bettinger Kinder.

»Wir arbeiten daran«
Wertheims Oberbürgermeister Stefan Mikulicz will den Vorwürfen auf den Grund gehen. Unzeitgemäße Erziehungsmethoden seien nicht tolerierbar, sagte er. Über den Grad und den Umfang eines möglichen Fehlverhaltens könne er noch keine Aussagen machen. Mikulicz will eigenen Angaben zufolge aber alles tun, damit die Eltern ihre Kinder wieder beruhigt in den Bettinger Kindergarten schicken können. »Wir arbeiten daran, kurzfristig eine zufriedenstellende dauerhafte Personallösung herbeizuführen«, sagte er gestern.

 

Kommentar zum Thema: Vertrauen wieder herstellen
Wegen ähnlicher Vorfälle haben in Deutschland in den vergangenen Jahren einige Erzieherinnen ihren Job verloren. Das könnte auch den beiden Frauen aus dem Bettinger Kindergarten drohen. Martin Frankenstein vom Jugendamt Tauberbischofsheim kann sich »keine Umstände vorstellen, unter denen es tolerierbar ist, Kindern den Mund zuzukleben«. Ob die Anschuldigungen wahr sind, werde nun aber erst einmal geprüft.


Auch die Bettinger Ortsvorsteherin Songrit Breuninger äußerte sich am frühen Dienstagnachmittag zurückhaltend: »Es muss noch ermittelt werden. Ich habe mir meine Meinung gebildet, und die steht. Ich will aber noch keine öffentliche Stellungnahme abgeben.« Breuninger bestätigte aber, bei einem Treffen mit den beiden Erzieherinnen und dem Elternbeirat dabei gewesen zu sein. Bei diesem Treffen hätten die beiden die Vorwürfe zugegeben.

Der Elternbeirat des Kindergartens wollte sich nicht zum Thema äußern. Auch die Leiterin des Kindergartens, gleichzeitig eine der Erzieherinnen, gegen die die Vorwürfe laut wurden, wollte gestern »vorläufig keine Stellung nehmen«.
Das zuständige Landesjugendamt in Stuttgart ist bei der Prüfung des Falles erst ganz am Anfang. Heide Trautwein von der Pressestelle sagte unserer Zeitung, dass das Landesjugendamt erst vor wenigen Tagen eine Meldung bekam. In dieser Erstmeldung war nur von einem einzelnen Fall aus dem Oktober die Rede. Außerdem ging es darin nur um eine der beiden Erzieherinnen. Um welche, sei nicht klar aus der Meldung hervorgegangen.

Warten auf Details
»Mein Eindruck ist bislang, dass es in Bettingen keine Hinweise auf eine massive Beeinträchtigung der Kinder gibt«, sagte Trautwein. Bevor weitere Schritte eingeleitet werden, will das Landesjugendamt eine detaillierte Meldung des Kindergartenträgers, der Stadt Wertheim, abwarten. Die erwarte man in den nächsten Tagen.


Manuel Barbosa

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