Mittwoch, 29.07.2015

Anonymer Hinweis überführt Dieb

Gericht: 23-Jähriger verkaufte gestohlene Briefmarken - Zu Bewährungsstrafe verurteilt

35 Fälle von Hehlerei Mittwoch, 12.12.2012 - 00:00 Uhr

Gül­ti­ge Post­wert­zei­chen im Ge­samt­wert von 60.000 Eu­ro hat­te ein 23-jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter ei­ner Würz­bur­ger Fir­ma im Lau­fe von vier Jah­ren ent­wen­det und über ein In­ter­net-Auk­ti­ons­haus wei­ter­ver­kauft. Das Ju­gend­sc­höf­fen­ge­richt Ge­mün­den ver­ur­teil­te den ge­stän­di­gen An­ge­klag­ten am Mon­tag we­gen Dieb­stahls in 116 Ein­zel­fäl­len zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe von zwei Jah­ren.

35 Fälle von Hehlerei
Seine mitangeklagte Verlobte, die zu den Vorwürfen keine Angaben machte, erhielt wegen 35 Fällen der Hehlerei eine Bewährungsstrafe von elf Monaten. Nach Überzeugung des Gericht hatte die 22-Jährige von den Diebstählen gewusst und ihrem Verlobten ihr Benutzerkonto im Internet zur Verfügung gestellt, über das ein Teil der Briefmarken im Wert von 9800 Euro veräußert worden war.
Der Angeklagte gab an, dass er als Mitarbeiter der Mahnabteilung problemlos an die Postwertzeichen gekommen sei. Diese habe man beim Empfang ohne besondere Formalitäten ausgehändigt bekommen. Zweimal im Monat habe er zwei Briefmarkenpäckchen im Wert von jeweils 250 Euro für sich abgezweigt und diese über verschiedene Benutzerkonten im Internet versteigert. Sein Gesamterlös habe sich auf circa 45000 Euro belaufen. Als Motiv für den Diebstahl gab er an, dass er von einer Arbeitskollegin gemobbt worden sei, ohne dass die Firma darauf reagiert habe. Mit dem Briefmarkendiebstahl habe er im Oktober vergangenen Jahres aufgehört, als vom Finanzamt Nachfragen zu seinen Einkünften kamen. Um seine Taten zu verschleiern, habe er deshalb selbst Briefmarken im Internet für circa 2000 Euro ersteigert. Der diesbezüglich erhobene Vorwurf der Hehlerei wurde in Gemünden eingestellt.
In der Firma war der Verlust der Briefmarken nicht bemerkt worden. Erst ein anonymes Schreiben an die Polizeiinspektion Marktheidenfeld, in dem der 23-Jährige beschuldigt wurde, gestohlene Briefmarken im Internet anzubieten, brachte den Fall ins Rollen. Polizeiliche Recherchen im Internet erhärteten den Verdacht. Bei einer Durchsuchung der gemeinsamen Wohnung der Angeklagten im Januar wurden Postwertzeichen im Wert von 3500 Euro gefunden. Bei dieser Gelegenheit soll die 22-Jährige gegenüber einem Polizeibeamten spontan geäußert haben, sie wisse, dass es sich um gestohlene Briefmarken handele.
Geständnis abgelegt
Der 23-jährige legte bei der anschließenden Vernehmung auf dem Polizeirevier ein Geständnis ab. Im Gegensatz dazu betonte er jetzt in der Verhandlung, dass seine Verlobte mit der Sache nichts zu tun hätte. Wie der Polizeibeamte als Zeuge erklärte, würden im Internet unter dem Nominalwert angebotene Briefmarken zu 80 Prozent aus kriminellen Quellen stammen; Sammlerbestände oder Firmenauflösungen seien in der Regel nur vorgeschoben.
Schaden ersetzen
Der Staatsanwalt forderte Bewährungsstrafen nach dem Erwachsenenstrafrecht. Diesem Antrag folgte das Schöffengericht unter dem Vorsitzenden Reiner Lenz, wobei es bei der 22-Jährigen nicht von einem gewerbsmäßigen Handeln ausging und die Strafe um sechs Monate reduzierte. Weil beide Angeklagte bisher mit dem Gesetz noch nicht in Konflikt geraten waren, wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt.
Der Angeklagte hat in einem Vergleich eine Schadensumme von 45.000 Euro anerkannt und bereits 10.600 Euro für die Schadenswiedergutmachung aufgebracht. Als Auflage muss er weitere 9000 Euro in Raten zu 250 Euro Schadenswiedermachung leisten, seine Verlobte 600 Euro in Raten zu je 50 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
bm

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden
cancel-circle circle-left
Anzeige