Samstag, 05.09.2015

Wenn es unter der Soutane klingelt

Facebook: Bistum Würzburg hat eigene App veröffentlicht - Auch Stadtpfarrer Johannsen nutzt das digitale Netzwerk

Lohr Dienstag, 14.02.2012 - 00:00 Uhr

Die Kir­chen nut­zen neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge im In­ter­net, um mit den Gläu­bi­gen in Kon­takt zu blei­ben. Di­gi­ta­le Netz­wer­ke wie Fa­ce­book oder Schü­l­erVZ sind vor al­lem un­ter Ju­gend­li­chen be­liebt, so dass sich die Diöze­se Würz­burg ent­schie­den hat, ein ei­ge­nes Hilf­s­pro­gramm zu ver­öf­f­ent­li­chen, das von je­dem Be­sit­zer ei­nes in­ter­net­taug­li­chen Mo­bil­te­le­fons ge­nutzt wer­den kann.

Viereckige Aufkleber
Die Diözese Würzburg plant neben der virtuellen Gottesdienstordnung nach eigenen Angaben, zusätzlich sämtliche katholischen Kirchen mit einem kleinen viereckigen Aufkleber für den sogenannten QR-Code zu versehen. Darauf sind wie bei einem Kassenscanner Informationen verschlüsselt, die sich mit jedem modernen Handy mit eingebauter Kamera abrufen lassen. Aus einer Datenbank kann der Nutzer sehr schnell erfahren, vor welchem Gotteshaus er gerade steht und welchem Schutzherrn selbige Kirche anvertraut ist. Dank der Bistums-App gibt es obendrein zum Nulltarif Informationen zu den Gottesdienstzeiten.
Der katholische Stadtpfarrer von Lohr, Sven Johannsen, kennt zwar die meisten seiner »Schäfchen«, aber er muss sich von Jahr zu Jahr immer weniger Namen merken. Denn die Zahl der Gottesdienstbesucher ist rückläufig. Nicht nur in seiner Pfarrei St. Michael oder im Bistum Würzburg, sondern bundesweit. War es in den 1950er Jahren noch knapp die Hälfte der Katholiken, die regelmäßig sonntags in die Kirche ging, sank diese Zahl bis zum Jahr 2008 auf etwas mehr als 13 Prozent.
Waren die wöchentlichen Gottesdiensttermine anfangs regelmäßig gut sichtbar irgendwo im Kircheninneren - meist in der Nähe des Haupteingangs - angebracht, folgten irgendwann die Pfarrbriefe. Seit es das Internet gibt, bietet es sich in jüngster Zeit als neue Plattform an. Die meisten Pfarrgemeinden haben eigene Homepages, teilen dort ihre Gottesdienstzeiten und ihre kirchlichen Nachrichten mit. Seit Ende 2011 hat der Bischof von Würzburg auch Netzwerke wie Facebook als Plattform entdeckt, um in den Dialog mit den Gläubigen zu treten. Das Bistum hat eine eigene Anwendung App entwickeln lassen, die seit Ende Januar für iPhones nutzbar ist. Auch der Lohrer Stadtpfarrer geht mit der Zeit. Er nutzt sein Handy täglich, um in Kontakt zu bleiben. Während des Gottesdienstes hat er das Mobiltelefon nicht einstecken, damit es nicht plötzlich unter der Soutane klingelt. Schließlich soll das Gotteshaus eine handyfreie Zone bleiben, in der kein lauter Klingelton die Andacht stört.
Dennoch weiß der 40-jähriger katholische Priester die Vorzüge eines internettauglichen Smartphones zu schätzen. Er hat eine eigene Facebookseite, um mit seinen Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Damit ist er unter den Gottesmännern beileibe kein Einzelfall. Auch sein Gemündener Amtsbruder Arkadius Kycia ist beispielsweise in diesem Netzwerk vertreten.
Die Vorzüge moderner Kommunikationswege hat längst auch die Gemündener Stadtjugendpflege erkannt. Wenn Simone Vierkötter einen Arbeitseinsatz plant, spart sie sich mittlerweile die Zeit für Anrufe oder das lästige Tippen von E-Mails. Ratzfatz ist eine Meldung auf der Facebook-Seite geschrieben. Und im Regelfall binnen weniger Minuten weiß die Pädagogin Bescheid, ob sie genügend Helfer um sich scharen kann.
Arbeitseinsätze kommen in einer Kirchengemeinde eher selten vor. Dafür aber kann der Pfarrer zu jeder Tageszeit mit seinen Messdienern kommunizieren, falls krankheitsbedingt ein Ministrant ausfällt.
E-Mail und SMS
Die Segnung von Autos und Fahrrädern ist in der katholischen Kirche mittlerweile nichts Besonderes mehr. In Burgsinn gibt es seit Jahr sogar einen ökumenischen Motorradgottesdienst. Wer weiß, vielleicht lädt Pfarrer Sven Johannsen demnächst zu einer Handysegnung ein. Mitreden kann er auf jeden Fall beim Thema Mobiltelefon, wenn es um die Frage geht, was eine elektronische Nachricht (E-Mail) ist oder wie eine Kurzmitteilung (SMS) verschickt wird.
Während einer Messe bleibt Johannsens Handy aus. Aber ansonsten kann es schon einmal passieren, dass es unter der Soutane klingelt, weil ein Freund eine Mitteilung auf seine Facebook-Pinnwand geschrieben hat. Jochem Hauck

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