Samstag, 01.08.2015

Dornröschenschlaf für Madonna beendet

Restaurierung: Vergessene Muttergottesfigur zieht vom Geburtshaus der Großmutter zum Wohnhaus der Enkelin

Rothenfels/Triefenstein-Homburg Mittwoch, 16.01.2013 - 00:00 Uhr

Fast 50 Jah­re lang schlum­mer­te ei­ne Ma­don­nen­fi­gur aus Gips auf dem Dach­bo­den von The­re­sia Kurz in Hom­burg. Als ih­re En­ke­lin Mar­git Kir­stein die Gips­fi­gur im Som­mer ent­deck­te, war ihr klar dass sie ei­ne so sc­hö­ne Sta­tue nicht ein­fach wei­ter auf dem Spei­cher ver­mo­dern las­sen möch­te. In rund sechs Wo­chen re­stau­rier­te der Ro­then­fel­ser Künst­ler Nor­bert Ko­mo­row­ski die Fi­gur.

Vor dem Abriss noch fotografiert
»Das letzte Foto stammt vom 4. Juni 1965«, sagt Margit Kirstein und zeigt die Schwarz-Weiß-Aufnahme vom Ge-burtshaus ihrer Großmutter. »Das Gebäude wurde an dem Tag abgerissen und ein neues Haus gebaut«, erzählt die Rothenfelserin weiter. Laut Aussage ihrer inzwischen 92-jährigen Großmutter sei die Figur in Familienbesitz, seit sie denken könne.
Dass sie damit vom Herstellungsdatum nicht allzu weit weg liegen dürfte, vermutet Restaurator Norbert Komorowski. »Etwa Ende des 19. Jahrhunderts dürfte die Figur gegossen worden sein«, schätzt der Rothenfelser Künstler. Wichtig sei dabei auch, dass es sich nicht um einen Kunstgegenstand von großem materiellen Wert handele, sondern um ein altes Familienerbstück, dass in neuem Glanz erstrahlen sollte. Keine gesicherten Informationen gebe es über die Herkunft. Anhand von Lilien im Haar der Maria stellt Komorsowski einen Bezug zu Frankreich her. Er betont aber ausdrücklich, dies sei reine Spekulation.
Schleifen, spachteln und malen
Hitze und Feuchtigkeit hatten der Statue über die Jahrzehnte ordentlich zugesetzt. »Hier und da war nur Farbe abgeblättert, teilweise fehlten aber auch Ecken«, erinnert sich Komorowski. Da keine Eile geboten war, habe er sich im Sommer über mehrere Wochen dem guten Stück widmen können. »Matt und Stumpf, dazu viele Grüntöne«, schildert er seine ersten Eindrücke. Diese Farbe dürfte die Figur seiner Meinung nach ursprünglich nicht gehabt haben. »Über die Zeit haben sich die Farben so entwickelt«, sagt der Experte. Bevor er sich an die farbliche Gestaltung machte, ging es um die Substanz der Madonna. »Schleifen und spachteln, einzelne Teile erneuern«, beschreibt Komorokski die ersten Schritte. Anhand alter Bücher habe er sich dann an Beispielen orientiert und der Figur einen neuen Anstrich gegeben. Erleichtert haben ihm seine Mischungen nur wenige erhaltene Farbreste.
Alte Figur am neuen Haus
Inzwischen hatte Margit Kirstein auch eine Verwendung für die Statue gefunden. Nach der Restaurierung von Norbert Komorowski wurde sie an ihr Wohnhaus in der oberen Gasse in Rothenfels montiert. Besonders beeindruckt habe sie dabei, wie schnell daraus ein echtes Gemeinschaftsprojekt entstanden sei. »Das Eichenholz für den Schaukasten stammt aus dem Wald von Siegfried Werner«, berichtet Kir-stein. Aus diesem habe ihr Vater Friedbert Greßer schließlich den Kasten gebaut. Das Glas habe wiederum Siegfried Werner zugeschnitten, schließlich die Firma Michael Schwaben ein Kupferdach aufgesetzt. Am Ende wurde der Schrein an der Fassade für alle sichtbar befestigt. »Von abends 18 Uhr bis in der Früh um zehn Uhr wird die Figur sogar angestrahlt«, sagt die zufriedene Besitzerin. Sie berichtet, dass die Oma ebenso stolz ist. »Bei keinem Kaffeekränzchen darf das Bild von der restaurierten Madonna fehlen«, sagt Margit Kirstein.
Für Norbert Komorowski war es nicht die erste Renovierung dieser Art. Er erinnert sich an einen Schuhkarton mit Einzelteilen, aus dem er ein Familienerbstück wieder herstellen konnte. Steffen Schreck

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