Dienstag, 04.08.2015

Laubholz inzwischen dominant

Forsteinrichtung Hafenlohr: Weichen für die kommenden 20 Jahre gestellt - Höherer Hiebsatz vorgeschlagen

Hafenlohr Dienstag, 11.12.2012 - 19:49 Uhr

Sei­ne Plä­ne zur For­stein­rich­tung stell­te Forst­wirt Eg­bert Kess­ler am Frei­tag­vor­mit­tag der Ge­mein­de Ha­fen­l­ohr vor. Der Er­ba­cher prä­sen­tier­te zu­nächst im Sit­zungs­saal sei­ne Er­geb­nis­se, be­vor er mit ei­ni­gen Mit­g­lie­dern des Ge­mein­de­ra­tes sechs Sta­tio­nen im Wald be­sich­tig­te.

Mit dabei waren auch Revierleiter Matthias Huckle, sowie Christoph Langguth vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt und Armin Otter vom AELF Würzburg.
Otter ist zuständig für Forsteinrichtung und Standorterkundung in ganz Unterfranken. Nachdem in den letzten Jahren der Holzeinschlag der Gemeinde Hafenlohr mit 2000 Festmeter pro Jahr angesetzt war und mit 2400 Festmetern im Schnitt überschritten wurde, schlug Kessler eine Erhöhung auf 2500 vor.
Fläche gewachsen
In den letzten Monaten nach dem Grundlagengang im April machte sich Egbert Kessler ein genaues Bild vom Hafenlohrer Gemeindewald. Armin Otter meinte, hier wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Er betonte die absolute Transparenz der Untersuchungen und meinte, nichts würde über den Kopf der Gemeinde hinweg entschieden.
»Ich denke mir immer, das ist mein Wald«, erklärte Kessler sein Vorgehen. Er errechnete mit Zahlen der letzten Forsteinrichtung und eigenen Erhebungen zunächst die Forstbetriebsfläche. Diese beträgt 372 Hektar und ist seit den letzten Erhebungen 1993 leicht gestiegen.
Holzvorrat steigt um 32 Prozent
Der Holzbestand wurde mit etwa 283 Festmeter je Hektar festgestellt. Rund 92 Prozent der Flächen wurden mit der Winkelzählprobe ermittelt, lediglich acht Prozent geschätzt. Dies ergibt einen Anstieg der Vorräte seit 1993 um stolze 32 Prozent. Das aktuelle Flächendurchschnittsalter der Bestände bezifferte er auf 96 Jahre.
Auch hier sein ein Anstieg von 84 Jahren zu verzeichnen. Die Begründung dafür sei, dass keine Kahlschläge mehr vorgenommen würden. Das durchschnittliche Alter der zur Nutzung bestimmten Bestände liege bei 154 Jahren. Es empfehle sich dort, die Bäume richtig ausreifen zu lassen, meinte Kessler.
Auch die Entwicklung der einzelnen Baumbestände bewertete Egbert Kessler positiv. »1993 hatten wir einen Anteil von 60 Prozent Nadelholz, heute sind wir bei 61 Prozent Laubholzanteil«, sagte der Experte. Insgesamt sei der Hafenlohrer Wald in den letzten 50 Jahren wesentlich mischbaumartenreicher geworden. Alleine der Buchenbestand sei in den letzten 20 Jahren von 23 auf 35 Prozent gestiegen. Erfreulich sei auch der Zuwachs an Eichen von 15 auf 19 Prozent. Diese würden vor allem auf den zweischichtigen Böden gut gedeihen. Egbert Kessler warnte allerdings vor der Entstehung von Buchenreinbeständen. Kessler sprach einige Empfehlungen aus, dem aktiv entgegen zu wirken.
So könnten Mischbaumarten künstlich eingebracht werden, in Altbeständen zielgerichtet Auflichtungen vorgenommen werden. Zudem könnte das erhebliche Naturverjüngungspotenzial der weiteren Mischbaumarten ausgeschöpft werden.
Trend zur Natur begrüßt
Andreas Otter schlug vor, aus wirtschaftlichen Gründen stets Nadelholz beizumischen. Hafenlohrs Bürgermeister Thorsten Schwab begrüßte den Trend zur Natur. Zwar wolle die Gemeinde im Wald jedes Jahr mit einem Überschuss abschließen, der wirtschaftliche Aspekt solle aber nicht im Vordergrund stehen.
Vorwürfen aus dem Weg gehen
Bei der Vorstellung im Gemeinderat wird der Hiebsatz wohl ein paar Festmeter unter den vorgeschlagenen 2500 bleiben. Bürgermeister Schwab meinte, man könne so Vorwürfen aus dem Weg gehen, die besagen, man würde den Wald plündern. Zudem hätte man eine Toleranz von zehn Prozent nach oben und unten, könne also in Einzelfall konkret reagieren. Am Ende ging Egbert Kessler noch auf allgemeine Themen ein. »Die Erschließung mit Lastwagen befahrbarer Wegen ist abgeschlossen«, bemerkte der Sachverständige. Der Ausbaustandard sei als »sehr gut« zu bezeichnen. Insgesamt 141 Hektar oder 40 Prozent der Gesamtholzbodenfläche seien mit Harvestern zu bearbeiten.
Wenig Kritik geübt
Kritik übte der Forstsachverständige an zwei Punkten. Zum einen nannte er die Verbissbelastung durch Rehwild in allen Distrikten als sehr hoch. Den hiesigen Rehwildbestand bezeichnete Kessler als »teilweise forstlich nicht mehr tragbar«. Er meinte aber, hier würde Abhilfe geschaffen und verwies auf die gute Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern.
Extrem hoch sei die illegale Müll- und Kompostentsorgung im Wald, insbesondere im Distrikt fünf »Böller«. Auch hier möchte der Gemeinderat Abhilfe schaffen. Thorsten Schwab verwies auf das lange Verfahren, an dessen Beginn die Änderung des Flächennutzungsplans stehe.
Die Kosten für die Bewirtschaftung wären bei einer Erhöhung des Hiebsatzes um 500 Festmeter pro Jahr rund 2500 Euro höher, rechnete Armin Otter vor. Er stellte allerdings zusätzliche Einnahmen von 10 000 Euro gegenüber, die beim höheren Einschlag zu erzielen seien. Unter dem Strich also noch ein Geschäft für die Gemeinde Hafenlohr. Steffen Schreck

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