Samstag, 05.09.2015

Wie viel Gift war in der Kaffeemaschine?

Gericht: Rechtsmediziner sollen prüfen - Würzburger Prozess um Engelstrompeten-Anschlag dauert länger als geplant

Engelstrompeten-Prozess Samstag, 13.04.2013 - 00:00 Uhr

Län­ger als zu­nächst ge­plant wird der Würz­bur­ger Pro­zess um ei­nen heim­tü­cki­schen Gif­t­an­schlag dau­ern. Das liegt vor al­lem an der schwie­ri­gen Be­weis­la­ge: Die Rechts­me­di­zi­ner kön­nen nicht ge­nau sa­gen, wie viel der bei­den im Was­ser ei­ner Kaf­fee­ma­schi­ne fest­ge­s­tell­ten Gift­stof­fe Atro­pin und Sko­po­la­min nö­t­ig sind, um ei­nen Men­schen zu tö­ten.

Wie berichtet, muss sich eine 50-jährige Würzburgerin wegen zweifachen Mordversuchs vor dem Landgericht verantworten. Sie soll das Wasser in der Kaffeemaschine ihres Geliebten und Arbeitgebers mit den beiden Substanzen, vermutlich gewonnen aus der Engelstrompete, vergiftet haben. Die Frau, die mit dem Mann mehrere Jahre lang und auch noch nach dem Vorfall ein sexuelles Verhältnis hatte, streitet die Vorwürfe ab.
Fest steht, dass der Kaffee, den der 69-jährige Arzt und seine damalige Freundin am Morgen des 28. November 2011 tranken, mit Atropin und Skopolamin vergiftet war. Und es spricht nach den Aussagen der Rechtsmediziner vieles dafür, dass die Substanzen aus Blüten und Blättern der Engelstrompete gewonnen wurden. Von der Pflanze gibt es im Haus des Opfers mehrere Exemplare, die Angeklagte hat sich bei ihm um Haus und Garten gekümmert und kennt sich nach eigenen Angaben im Pflanzenreich aus.
Seltsames Verhalten
Sicher ist bisher allerdings nicht, ob über das vergiftete Wasser der Kaffeemaschine auch eine potenziell tödliche Dosis Gift in den Kaffee gelangt ist. »Man wird wohl davon ausgehen müssen«, sagte Vera Sterzig vom rechtsmedizinischen Institut der Universität Würzburg. Die Wirkung sei von Mensch zu Mensch verschieden: »Eine niedrige Konzentration ist nicht immer ungefährlich, eine hohe Konzentration nicht immer lebensbedrohlich.«
Bei bisherigen Todesfällen habe häufiger die halluzinogene Wirkung zum Tod geführt als die Gift selbst. Sterzig ist sich sicher, dass sich auch der Arzt und seine damalige Freundin nach dem Genuss des Kaffees in einem Zustand befanden, »der lebensbedrohlich hätte ausgehen können«. Beide Opfer hatten nicht nur Kreislaufbeschwerden, sondern legten auch ein seltsames Verhalten an den Tag.
Der Arzt, der von seiner Sekretärin gefunden und zu einem Kollegen gebracht wurde, begann dort das Sprechzimmer aufzuräumen, ehe er in eine Klinik eingeliefert und dort auf der Schlaganfall-Intensivstation stundenlang genau beobachtet wurde. Wäre seine Sekretärin nicht vor Ort gewesen, »dann wäre ich in diesem Zustand sicher ins Auto gestiegen, um in die Praxis zu fahren«, sagte der 69-Jährige. Bis zur Fortsetzung des Prozesses am 23. April sollen die Rechtsmediziner noch einmal die genaue Konzentration der Giftstoffe in den Resten des aus der Kaffeemaschine sichergestellten Wassers feststellen. Patrick Wötzel

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