Montag, 31.08.2015

Die Motorsense als Waffe gegen den Nachbarn

Gericht: 65-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Darmstadt Samstag, 09.02.2013 - 00:00 Uhr

Mit der Mo­tor­sen­se ist ein Mann auf sei­nen ver­hass­ten Nach­barn los­ge­gan­gen, jetzt muss er da­für ge­ra­de­ste­hen. Nach dem zu­nächst laut­star­ken, da­nach hand­fes­ten St­reit ver­ur­teil­te das Land­ge­richt Darm­stadt den 65-Jäh­ri­gen ges­tern zu ein­ein­halb Jah­ren auf Be­wäh­rung.

Der Mann hatte seinen Nachbarn, der sich über den Lärm des Gartengeräts beschwerte, an einem Sommertag vor drei Jahren angegriffen und schwer an den Knien verletzt.
»Sie sind ein sturer Kopf, der sich endlich mal am Riemen reißen muss«, redete der Vorsitzende Richter Volker Wagner dem Angeklagten ins Gewissen. »Sie sind egozentrisch, nur auf sich bezogen. Das Gerichtsverfahren hat Ihnen die Maske vom Gesicht gerissen.« Angeklagt war der 65-Jährige wegen versuchten Totschlags, verurteilt wurde er schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung.
Das Gericht folgte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, auch bei der Bewertung der Tat. Eine Tötungsabsicht wurde nicht festgestellt. Vor dem Angriff mit der ungewöhnlichen Waffe sei der Angeklagte vom Nachbarn provoziert worden, das heute 72 Jahre alte Opfer habe ihm einen Eimer Wasser auf die Hose gekippt. Der Angeklagte habe auch die Frau des Kontrahenten geschlagen, dies sei im Strafmaß berücksichtigt.
Ein Psychiater bescheinigte dem 65-Jährigen eine »fanatische, querulatorische Fehlentwicklung«. Das Gericht schloss sich dieser Einschätzung an. Der Mann habe wegen Grundstückstreitigkeiten alle möglichen Behörden mit Briefen, Beschwerden und Beleidigungen überzogen. Richter Wagner sagte, er selbst sei als »Juristenschwein« beschimpft worden.
Als der Verurteilte im Gerichtssaal immer wieder mit abfälligen Handbewegungen reagierte und sich scheinbar gelangweilt zum Zuschauerraum umdrehte, wurde Wagner ernst. Normalerweise würde solch eine Tat mit vier Jahren Haft bestraft, erklärte der Richter. Das Gericht habe aber berücksichtigt, dass der Attacke die Provokation mit dem Wasser vorausgegangen sei. Jetzt müsse aber wirklich Schluss sein mit dem Streit: »Wenn wieder was vorkommt, dann werden wir die Bewährung streichen.« dpa

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