Sonntag, 05.07.2015

Trutzburg mitten in der Stadt

Baudenkmal: Anfänge im 13. Jahrhundert - Das Residenzschloss Darmstadt wird derzeit für 41 Millionen Euro saniert

Darmstadt
Samstag, 09. 02. 2013 - 00:00 Uhr

Dem Re­si­denz­sch­loss Darm­stadt fehlt die ganz gro­ße Pracht, es hat et­was Trut­zi­ges. »Was ei­nen emp­fängt, ist kein klas­si­sches Sch­loss«, sagt Bau­di­rek­tor Thors­ten Sch­midt von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät. »Eher ein Burg­sch­loss.« Der Bau steht aber auf kei­nem Berg, son­dern mit­ten in Darm­stadt - es ist ein Stadt­sch­loss. Der Haupt­ein­gang öff­net sich zum Markt­platz hin. Das Sch­loss sieht et­was mit­ge­nom­men aus.

Viele Säle stehen leer.
Das Gebäude wird derzeit von Grund auf saniert und renoviert, das Land Hessen bezahlt dafür 41 Millionen Euro. 2015/2016 soll es in neuem Glanz erstrahlen. »Dann wird es ein Zentrum der Geisteswissenschaften der Technischen Universität«, verspricht Schmidt. Der Bau gehöre zwar dem Land Hessen, die Hochschule könne aber unabhängig schalten und walten.
Genutzt wird das Schloss von der TU schon länger. Bis vor kurzem war auch die Universitäts- und Landesbibliothek in dem Bau untergebracht, sie ist aber in einen fast 74 Millionen Euro teuren Neubau in der Nähe umgezogen. Dadurch bekommen die Soziologen, die Politik- und Geschichtswissenschaftler mehr Platz in dem Schloss. Treffpunkt ist das Schloss aber nicht nur für Studenten, sondern auch für andere Darmstädter.
Kriege, Krisen, Brände
Die Anfänge des Residenzschlosses gehen zurück ins 13. Jahrhundert, als die Grafen von Katzenelnbogen eine Wasserburg gründeten. »Dieser Anfang ist etwas Besonderes«, sagt Peter Engels vom Stadtarchiv Darmstadt. »Auch Stadtschlösser gibt es in Hessen weniger.« Nach dem Aussterben derer von Katzenelnbogen fiel der Bau im 15. Jahrhundert an die Landgrafen von Hessen. Es gab Kriege und Krisen, Brände und Baumaßnahmen.
Und knappe Kassen. Nach einem großen Schlossbrand im 18. Jahrhundert sollte eine gewaltige barocke Anlage her. Landgraf Ernst Ludwig beauftragte 1715 den Architekten Louis Remy de la Fosse mit dem Bau eines gewaltigen vierflügeligen Neuschlosses. Das Projekt war finanziell aber eine Nummer zu groß, gebaut wurden nur die Süd- und die Westflügel. »Noch etwas Besonderes an dem Schloss«, sagt Falko Lehmann vom Landesamt für Denkmalpflege.
Beim Bombenangriff zerstört
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Residenzschloss an das Land Hessen. Der schwärzeste Tag der Geschichte dürfte der Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg gewesen sein. In der Brandnacht vom 11. zum 12. November 1944 wurde der Bau fast vollständig von den Flammen zerstört.
Nachdem die Bibliothek mit ihren 5,5 Millionen Medien Platz gemacht hat, kann die Universität die Säle und Räume für Studenten und Verwaltung nutzen. Zu sehen ist der Charme der 50er und 60er Jahre. Die Original-Deckenlampen hängen noch. »Hier ist die Zeit stehen geblieben«, sagt Anette Hochberg vom TU-Baudezernat beim Gang durch den jetzt leeren Bereich. »Wegen der Denkmalpflege müssen wir das erhalten.« In den - funktionierenden -  Aufzügen von früher hängen Telefone in klassischem Grau mit Wählscheibe. »Aus der Zeit des Wiederaufbaus soll die Substanz erhalten bleiben«, erklärt die Hochschulfrau - und die Rolle des Schlosses als kulturelle Mitte Darmstadts. Joachim Baier (dpa)

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