Montag, 03.08.2015

Klaus Töpfer statt »Pille danach«

Diözesanempfang gelingt es Bischof Friedhelm, die Kirche in freundliches Licht zu tauchen - 1000 Gäste

Würzburg Donnerstag, 07.02.2013 - 00:00 Uhr

Der Würz­bur­ger Bi­schof Fried­helm Hof­mann (70) ist ein Men­schen­fi­scher. Zwei­mal im Jahr bit­tet er Jour­na­lis­ten zu Hin­ter­grun­drun­den und st­rei­tet dort mit Kri­ti­kern sei­ner kon­ser­va­ti­ven Theo­lo­gie in er­fri­schen­der Of­fen­heit. 2012 hat Hof­mann, als Neu­jahrs­red­ner von der Stadt Würz­burg vor­her aus­ge­la­den, da­mit be­gon­nen, Leu­te aus Kir­che und öf­f­ent­li­chem Le­ben bei Diöze­san­emp­fän­gen um sich zu scha­ren.

Bei der zweiten Auflage am Dienstagabend in der Würzburger Universität gelingt dem Oberhirten dies prächtig. Über tausend Gäste sind gekommen. Weil der große Hörsaal auf dem Hubland-Campus das Publikum nicht fassen kann, wird die Rede des prominenten Gastes Klaus Töpfer (74) in zwei Nachbarsäle übertragen.
Und wer den früheren Bundesumweltminister und UN-Direktor einlädt, muss natürlich über sexuellen Missbrauch, die »Pille danach« und Kirchenaustritte nicht reden. Wenn schon Bischof Friedhelm in seinen ersten Begrüßungssätzen eine Warnung vor dem schrecklichen Erbe des Atommülls zitiert, weiß der Zuhörer, dass die katholische Kirche an diesem Abend auf der guten Seite steht. Die Schöpfung bewahren, die langfristigen Folgen heutiger Entscheidungen bedenken - dies sind die Kerngedanken des Abends, die wohl jeder Besucher in dieser Allgemeinheit unterschreibt.
Der Vortrag Töpfers trägt zwar die komplizierte Überschrift »Der Mensch im Anthropozän« - also in einem Zeitalter, in dem er nicht mehr der Natur ausgeliefert ist, sondern sie selbst beeinflusst (siehe »Stichwort«). Doch die Botschaft des einstigen CDU-Politikers ist einfach: »Wir dürfen nicht nur fragen, was heute ist. Wir müssen bedenken, welche Kosten wir damit in der Zukunft auslösen.«
Töpfer nennt ein praktisches Beispiel aus seiner Zeit als Bundesumweltminister: Erst als die Verpackungshersteller vom Gesetzgeber verpflichtet wurden, am Beseitigen der Schachteln und Flaschen mitzuwirken, schrumpften die Abfallberge.
Doch die »Offenbarungseide der Kurzfristigkeit« würden weiter geleistet, so Töpfer. Geldtransaktionen geschähen in Millisekunden, hinterließen aber lange Spuren, wie die Finanzkrise zeige. Wer Risiken eingehe, müsse auch dafür haften und dürfe die Lasten nicht der Allgemeinheit aufbürden.
Trotz des ernsten Themas vermittelt Töpfer die Botschaft entspannt. »Aber diese Bundesländer sind dann selbstverständlich noch da«, sagt er, als er für Deutschland den Verlust der Bevölkerungszahl von Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis zum Jahr 2050 prophezeit. Zwischendurch ruft er nach einem Schoppen Wein, wie er ihn früher als Mainzer Umweltminister zu dieser Tageszeit kredenzt bekommen habe - und hebt dann tatsächlich am Rednerpult gelegentlich das eilig gebrachte Glas.
Das dürfen dann auch die vielen Gäste tun, draußen im Foyer und in den beiden Stockwerken des Zentralen Hörsaalgebäudes. Ganz oben genießt der Besucher den vom Bischof empfohlenen Blick auf die angestrahlten Wahrzeichen Würzburgs.
Noch da ein Häppchen und dort ein Schwätzchen - und dann geht es hinaus zum Parkplatz durch einen plötzlich aufgekommenen Schneesturm, den man symbolisch nennen mag: Auch über der katholischen Kirche wird nach diesem freundlichen Abend wieder garstigeres Wetter aufziehen.
Claus Morhart

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden
cancel-circle circle-left
Anzeige