Mittwoch, 02.09.2015

Abgehoben in der Provinz

Spurensuche: S&K-Gruppe spannte ihr Netz nicht nur in der Finanzmetrople Frankfurt, sondern auch am Untermain

Untermain ist zweites Zentrum der S&K-Millionenbetrug-Emittlungen Samstag, 02.03.2013 - 12:50 Uhr

Halbnackte Models, wil­de Par­tys mit wilden Tie­ren, baden in einer Ba­de­wan­ne voller Geld, ei­ne The­ra­peu­tin für Dober­mann »Cash« - Die mutmaßlichen Millionen-Betrüger und S&K-Gründer Jonas Köller (31) und Stephan Schäfer (33) ließen es krachen mit dem Geld ihrer Anleger. Der Untermain gehört mit mindestens 13 durchsuchten Objekten neben der Finanzmetropole Frankfurt zum Kerngebiet der Ermittlungen. (Mit Original-Video von Köllers dekadentem 30.Geburtstag in Erlenbach)

 


Bilderserie vom prallen Leben der S&K-Gründer

Dabei wird seit der rekordverdächtigen Großrazzia, bei der vorvergangenen Dienstag bundesweit 1200 Polizisten 130 Wohn- und Geschäftshäuser durchsuchten und zum Beispiel in Erlenbach (Kreis Miltenberg) mit einem Hubschrauber-Einsatz Aufsehen erregten, immer deutlicher: Der Untermain gehört mit mindestens 13 durchsuchten Objekten, in denen zwei der mittlerweile acht Hauptverdächtigen festgenommen wurden, neben der Finanzmetropole Frankfurt zum Kerngebiet der Ermittlungen.

Erste Razzia bereits 2012
Die federführende Staatsanwaltschaft Frankfurt und die Polizei halten sich bedeckt. Doch vieles deutet darauf hin, dass in der Heimat des gebürtigen Großheubachers Jonas Köller nicht nur seine ersten Geschäftserfolge, sondern auch zahlreiche Ermittlungen ihren Ausgang nahmen:

Bereits im Juni 2012 berichtete unsere Zeitung von einer Razzia mit Sondereinsatzkommandos in Erlenbach und Aschaffenburg, bei der es um den Handel mit Doktortiteln gegangen ist. Ein mehrfach vorbestrafter ehemaliger Aschaffenburger soll demnach offenbar S&K-Gründer Köller (Fachabitur 2002 in Obernburg) zwei Doktortitel beschafft haben. Derlei akademischer Federschmuck macht was her im Immobilien- und Investmentgeschäft.

Roter Ferrari und dicker Audi
Das Verfahren wegen Titelhandels läuft noch - und brachte möglicherweise Hinweise zum Vorschein, die jetzt zu weiteren Razzien geführt haben könnten. Wer sich auf Spurensuche dieser Aktion begibt, kann nur ahnen, wie dicht das S&K-Netz am Untermain gestrickt war - und wie unglaublich für viele Leute in der beschaulichen Gegend die Vorwürfe gegen die Verdächtigen sind.

Schließlich gibt’s so abgehobene Typen, die im Hubschrauber zur Geburtstagsparty flogen, sonst nur im Film. Vielleicht noch in St. Tropez, aber doch nicht in der Provinz?

Im Klingenberger Stadtteil Röllfeld (Kreis Miltenberg) zum Beispiel, wo erst am vergangenen Montag die Polizei mit Abschleppwagen anrückte und unter anderem Autos beschlagnahmte: Hier residierte Marc-Christian S. (38), der innerhalb der S&K-Gruppe Geschäftsführer einer Reihe von Tochterfirmen war und jetzt nach Informationen unserer Zeitung in Untersuchungshaft sitzt.

»Ein sehr bodenständiger Mensch« sei der Herr gewesen, erzählt eine Nachbarin: Er habe das alte Haus selbst renoviert. »Nie aufgefallen« sei der Mann, bestätigt ein alter Röllbacher. Er habe gar nicht auf dicke Hose gemacht, »nur mal beim Fußball einen Kasten Bier bezahlt«. Ein junger Mann hingegen sagt: S. fuhr abwechselnd einen roten Ferarri und einen Audi R 8. »So einen lauten«, erinnert sich die Nachbarin dann doch noch.

Im Röllfeld durchsuchte die Polizei ein Riesen-Anwesen am Ortsrand, in dem zeitweise die Eltern Jonas Köllers gewohnt haben sollen. »Die Leute waren nett«, erinnern sich Röllfelder, die noch Tage nach der Razzia Fernsehteams das Haus belagern sahen. Die Leute hier erinnern sich auch, dass in der weißen Villa zuvor jemand anders wohnte, der irgendwie in Immobilien machte und einen dicken Hummer-Geländewagen fuhr.

Notar-Haus durchsucht
Nach Informationen unserer Zeitung wird gegen diesen Immobilien-Mann, der Gesellschafter und Geschäftsführer einer ganzen Reihe von teilweise bereits aufgelösten Firmen in Hainburg, Großostheim, Klingenberg und Hösbach war oder ist, ebenfalls ermittelt. Unter anderem in Hösbach wurde ein Geschäftssitz durchsucht.

In Großostheim-Ringheim soll das Wohnhaus eines Frankfurter Notars durchsucht worden sein. Angeblich, so munkeln die Leute, ist der Mann vorbestraft - wegen Beihilfe zum Betrug im Zusammenhang mit dem Handel von Schrottimmobilien. Jens Raab

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