Mittwoch, 01.07.2015

Sparkasse Miltenberg-Obernburg kappte Geschäftsbeziehungen zu Köllers Eltern

Imagepflege: S&K wehrte sich gegen die Sparkasse

Schein bestimmt das Sein - Mutmaßlicher S&K-Millionen-Anlagebetrug
Sonntag, 03. 03. 2013 - 21:27 Uhr

Die Investment-Holding S&K versprach seinen Anlegern Sicherheit und hohe Rendite - entgegen anderslautenden Meinungen. Kein Wunder, dass sich S&K zuletzt eine PR-Schlacht mit Kritikern lieferte. Bereits im April vergangenen Jahres zog die Sparkasse Miltenberg-Obernburg die Reißleine und kappte die Geschäftsbeziehungen zu den Eltern des S&K-Gründers Jonas Köller.


Bilderserie vom prallen Leben der S&K-Gründer

»Deutsche Sachwerte« heißt ein Fonds der Investment-Holding S&K. Deutsche Sachwerte - das klingt gut: In der Finanzkrise suchen die Leute nach Anlagen ohne Inflationsgefahr. Was kann da besser sein, als sein Geld in Immobilien zu stecken - in »Betongold«, wie man bei S&K zu betonen pflegte. Das mit viel Werbeprosa aufgebauschte Versprechen von Sicherheit und hoher Rendite droht aber zu verpuffen, wenn die Seriosität in Frage steht.

Geschönte Magazin-Berichte?
Kein Wunder also, dass sich S&K zuletzt eine PR-Schlacht mit Kritikern lieferte - möglicherweise auch mit bezahlten Berichten unabhängiger Journalisten: Der Schein bestimmt das Sein. Jedenfalls ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die am Montag zurückgetretene Herausgeberin des Magazins »Finanzwelt«, Dorothee Schöneich. Der Vorwurf: Sie soll für viel Geld »fortlaufend positive und wahrheitswidrig geschönte« Berichte in ihr Blatt gehoben haben.

Schöneich weist den Vorwurf zurück. Fakt ist: Seit vielen Monaten gab es Warnungen vor S&K in Internetforen und in Teilen der Fachpresse. Als Beispiel kann eine Episode aus der Heimat von S&K-Gründer Jonas Köller dienen.

Reißleine gezogen
Bereits im April vergangenen Jahres zog die Sparkasse Miltenberg-Obernburg die Reißleine und kappte die Geschäftsbeziehungen zu Köllers Eltern. In einem vertraulichen Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt und zeitweise durchs Internet geisterte, erklärt die Bank dem Großheubacher Ehepaar: »Die Komplexität der Unternehmensgruppe Ihrer Söhne (Jonas und L., d. Red.) ist für uns nicht transparent (...). Wir möchten in der Konsequenz auch die Geschäftsverbindung für Ihre privat geführten Konten nicht weiter ausbauen.« Man möge sie auflösen.

Es folgten offenbar juristische Auseinandersetzungen mit der Sparkasse, aber auch eine PR-Offensive: In mehreren Internetforen tauchte immer wieder der selbe Beitrag auf, in dem von einem »Sparkassenskandal« die Rede war, von den »sozial sehr aktiven« Köllers und von »dörflicher Ignoranz« der Regionalbänker. Letztere kapierten nicht, welch erfolgreicher Unternehmer »Dr. Jonas Köller« doch sei. Ein von S&K selbst beauftragter Unternehmensanalytiker hingegen schrieb Jonas Köller: »Geschäftsvorgänge der siebenstelligen Art« gälten auch bei Regionalbanken nicht als geschäftsschädigend - wenn sie denn nur nachvollziehbar seien.

Bei der Sparkasse Miltenberg-Obernburg gibt es heute keinen Kommentar zu dem Vorgang, auch wenn er die Bank im Nachhinein in einem guten Licht dastehen lässt: Sprecher Simon Eifert verweist auf das Bankgeheimnis. Das gehöre sich so, man habe das Schreiben auch nicht lanciert.

Es versteht sich, dass S&K auf kritische Berichterstattung von nicht gekauften Journalisten mit heftigen Klagen reagierte. Zuletzt soll eine 2,3-Millionen-Schadensersatzforderung eines Rechtsanwalts und S&K-Hausnotars beim Magazin »Wirtschaftswoche« eingegangen sein. Ein paar Tage später, während der Großrazzia, soll der Jurist festgenommen worden sein. Jens Raab

Die dekadente Party zu Köllers 30.Geburtstag in Erlenbach

 


 

 

Spiegel-TV-Film zu S&K

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