Montag, 31.08.2015

Verurteilter Milliarden-Pleitier berät mutmaßlichen Millionen-Betrüger

Weitere Hintergründe zum mutmaßlichen S&K-Millionenbetrug Samstag, 23.02.2013 - 15:58 Uhr

Ein in die deutsche Kriminalgeschichte eingegangener Milliarden-Pleitier und verurteilter Betrüger berät einen mutmaßlichen Millionenbetrüger. Dieses Zusammentreffen ist ein weiteres Detail rund um die am Untermain bekannten S&K-Gründer Jonas Köller (31) und Stephan Schäfer (33). Beide sitzen seit wenigen Tagen wegen Anlagebetrug-Verdachts in Haft. Damit nicht genug. Eine Journalistin soll gegen Cash S&K-genehm berichtet haben.

Nach Angaben von „Manager Magazin online“ hat der Ex-Baulöwe Jürgen Schneider den S&K-Macher Stephan Schäfer beraten. Jürgen Schneider?

Schneider war in den 1990er Jahren einer der größten Immobilienunternehmer Deutschlands. Eine schillernde Figur, die 1994 ebenso schillernd mit ihrem Immobiliengeflecht in ein Milliarden-Loch krachte und anschließend im Gefängnis Zeit zur Besinnung hatte (siehe Hintergrund, unten).
 
Irgendwelche seiner Erfahrungen werden offenbar bei Schäfer gefragt gewesen sein –  jedenfalls bestätigte Schneider gegenüber „Manager Magazin online“ am Freitag seine Beratertätigkeit und Bekanntschaft mit Schäfer. "Ich habe Stephan Schäfer vor etwa fünf Jahren kennengelernt", zitiert ihn das Magazin. Bis zuletzt habe er mit Schäfer Kontakt gehabt, vor Jahren sogar in dessen legendärer Villa in Erlenbach (Kreis Miltenberg) Weihnachten gefeiert. Schneider beschreibt Schäfer laut „Manager Magazin online“ als „fleißigen, hilfsbereiten, fähigen und tierlieben Menschen“.
 
Journalistin soll S&K-Machern geholfen haben
Hilfsbereit scheint auch die Gesellschafterin und Herausgeberin der Fachzeitschrift „Finanzwelt“, Dorothee Schöneich, gewesen sein, hat das „Handelsblatt“ herausgefunden. „Bei den Razzien gegen die Immobiliengruppe S&K wurden auch die Räume einer Fachjournalistin durchsucht. Der Vorwurf der Staatsanwälte: schönfärberische Berichterstattung gegen üppige Beraterhonorare“, schreibt die Wirtschaftszeitung am Freitag.
 
Die Staatsanwaltschaft nimmt nach Angaben des „Handelsblatt“ an, die Finanzwelt-Chefin habe „durch wahrheitswidrige und schönfärberische Berichterstattung dazu beigetragen, dass die S&K zahlreiche Anleger fand und auf diese Weise mehr als 100 Millionen Euro veruntreute“. S&K soll Schönreichs Magazin als Werbeplattform benutzt haben dürfen, frei nach dem Motto: Schreib mich schön und ich mach dich reich. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nennt nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa bislang keine Details.

Details nennt auch die verdächtigte Journalistin bislang nicht. Einzig auf der „Finanzwelt“-Webseite nimmt eine Anwaltskanzlei Stellung zu den Vorwürfen. In einem Schreiben heißt es unter anderem: „Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main prüft, ob unsere Mandantin an den Straftaten beteiligt war, die Personen im Umfeld der Frankfurter S&K-Unternehmensgruppe vorgeworfen werden.“
 
Inhaftierte schweigen, Architekt im Visier
Stellungnahmen zu dem mutmaßlichen Anlagenbetrug erwartet nun die Frankfurter Staatsanwaltschaft von den vor wenigen Tagen inhaftierten S&K Gründern Stephan Schäfer und Jonas Köller. Bislang vergebens. Unverändert sind sechs von zusammen rund 50 Beschuldigten in Untersuchungshaft. Die Männer sollen in den nächsten Tagen zu dem von ihnen mutmaßlich installierten betrügerischen Schneeballsystem befragt werden. Beim Haftprüfungstermin am Mittwoch hatten sie sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.
 
Unter den sechs Inhaftierten sollen auch Architekt Bernd Z. und ein Rechtsanwalt sein, beide aus Frankfurt. Besonders Architekt Z. scheint eine gewichtige Rolle in dem mutmaßlichen Anlagebetrug zu spielen. Laut „Manager Magazin online“ soll Z. S&K-Immobilien weit über deren eigentlichen Wert bewertet haben, „wodurch S&K den eigenen Bestand offenkundig künstlich aufblähen konnte“.
 
Welche Werte die Ermittler im Interesse geschädigter Anleger bei der Großrazzia sichergestellt haben, kann die Justiz noch nicht sagen – wegen der Vielzahl der Objekte, meldet die dpa. Auch, wann Anklage erhoben wird, ist nicht absehbar. Ein Sprecher der federführenden Frankfurter Staatsanwaltschaft sagte der dpa am Freitag: Im Anlageskandal um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K ist vorerst nicht mit einer schnellen Anklage zu rechnen. Das Verfahren sei selbst für Frankfurter Verhältnisse sehr umfangreich und sicher nicht in wenigen Monaten abzuschließen.
 
Verbraucherschützer mahnt und warnt
Wegen dieser zeitraubenden Ermittlungen raten Verbraucherschützer verunsicherten Anlegern zur Besonnenheit. „Man muss nicht sofort zum Anwalt rennen. Erst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung der Geschehnisse zunächst zu beobachten“, sagte der Kapitalmarktexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen der dpa und warnt.

Derzeit seien viele Anwaltsbüros unterwegs, um mit dem Fall neue Mandanten zu gewinnen. Für Geschädigte sei es nicht einfach zu erkennen, wer ihre Interessen besonders gut vertreten könne. „Ich warne vor Kanzleien, die eine Garantie aussprechen, dass man sein Geld auf jeden Fall zurückbekommt“, sagte Feck. Das könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös beurteilen. „Ein schönes Urteil nutzt wenig, wenn dann nichts zu holen ist. Das Verfahren ist einfach kein Selbstläufer“, sagte der Fachanwalt.

Feck: „In einigen Wochen ist es sicher sinnvoll, über einen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte zu verlangen.“ Auf dieser Grundlage müsse dann das weitere Vorgehen geplant werden. Verjährungsfristen drohten vorerst nicht, da die Verdachtsmomente gerade erst bekanntgeworden seien.

 

Torsten Maier
(Quellen: Manager Magazin online, Handelsblatt, Polizei Hessen, dpa)

 

Hintergrund: Jürgern Schneider

Der 1934 in Frankfurt geborene Schneider, seinerzeit einer der größten Immobilienunternehmer Deutschland, legte 1994 eine der größten Immobilienpleiten Deutschlands hin. Schaden: Rund sieben Milliarden DM. Nach seiner Flucht und Festnahme in die USA wurde Schneider 1996 nach Deutschland ausgeliefert und 1997 wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. 1999 kam er in Freiheit. Heute soll er als Immobilienberater für junge Unternehmer tätig sein. Den Banken wurde in dem spektakulären Wirtschaftsstrafprozess eine große Mitschuld an Schneiders betrügerischem Aufstieg gegeben. Geschichte schrieb damals neben Schneider auch der damalige Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper. Er bezeichnete seinerzeit offene Handwerkerrechnungen aus der Schneider-Pleite in Höhe von rund 50 Millionen D-Mark auf einer Pressekonferenz als "Peanuts".  mai

 


Hinweis für Zeugen und Betroffene:

In eigener Sache:

Wir suchen Menschen, die bei S&K Geld angelegt haben und uns von ihren Erfahrungen berichten wollen. Wenn Sie betroffen sind oder andere Informationen dazu geben können, melden Sie sich unter onlineredaktion@main-echo.de .



BR-Video zur Großrazzia in Erlenbach

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden
cancel-circle circle-left
Anzeige