Donnerstag, 03.09.2015

Striptease im Champagnerglas und ein Bad in Geld

Großrazzia in Erlenbach - Unglaubliches über mutmaßliche S&K-Millionenbetrüger Freitag, 22.02.2013 - 00:00 Uhr

Auf­re­gen­de Au­tos und Frau­en, wil­de Par­tys und Tie­re: Seit der spek­ta­ku­lä­ren Durch­su­chung ei­ner Vil­la am Di­ens­tag in Er­len­bach (Kreis Mil­ten­berg), bei der sich Po­li­zis­ten im Zu­ge der bun­des­wei­ten Großraz­zia so­gar von ei­nem Hub­schrau­ber ab­seil­ten, kur­sie­ren vie­le Ge­rüch­te über das ver­schwen­de­ri­sche Le­ben der mut­maß­li­chen An­la­ge­be­trü­ger um die Grün­der der Frank­fur­ter Fir­ma S&K. (Sind Sie ein betrogener Anleger? Melden Sie sich bei uns ...)

Die Klatschpresse breitet sie ebenso aus wie es seriöse Medien tun. Unsere Redaktion hat sich umgehört bei Leuten, die mehr wissen. Schließlich sind die S&K-Gründer Jonas Köller (31) und Stephan Schäfer (33) am Untermain bekannt. Sie dürften in der Gegend auch mehr Geschäfte gemacht haben als nur im Erfapark in Hardheim.

Die Geldsäcke: Polizisten trugen unzählige Geldsäcke aus der Erlenbacher Villa, die einen ganzen Mini-Van füllten. Es sollen tatsächlich Euromünzen in den Säcken gewesen sein - die Finanzjongleure nahmen die Redewendung »im Geld baden« angeblich des Öfteren in ihrem Anwesen wörtlich.

Die Villa: Bei dem protzigen Gebäude im Erlenbacher Weinberg an der Klingenberger Straße handelt es sich nicht um die frühere Eventlocation »Villa Mundt« in unmittelbarer Nachbarschaft, die heute Arztpraxen beherbergt. Es geht um die ehemalige Schellenberger-Villa (benannt nach dem Gründer der Werft), die Schäfer vor einigen Jahren ersteigert und später an Köller weiterveräußert haben soll. Das Haus soll neben Geldbadewannen weitere Annehmlichkeiten geboten haben, zum Beispiel einen riesigen Wellnessbereich.

Wir suchen Menschen, die bei S&K Geld angelegt haben und uns von ihren Erfahrungen berichten wollen. Wenn Sie betroffen sind oder andere Informationen dazu geben können, melden Sie sich unter onlineredaktion@main-echo.de .



Die Partys: Tatsächlich entstanden die im Internet kursierenden Fotos von einer nackten Frau im riesengroßen Schampus-Glas und einem Elefanten als Partygast in Erlenbach - im Sommer 2011, bei der Geburtstagsfeier Köllers, der aus Großheubach stammt. Die Berichte, wonach auch ein Kamel und eine Giraffe mitfeierten, könne er nicht bestätigen, sagt ein Festgast von damals. »Aber erst kam uns ein Zebra entgegen, dann sahen wir einen Elefanten einen Baum anknabbern.« Insgesamt sei die Party »ein Erlebnis« gewesen, das Geburtstagskind sei mit dem Heli eingeflogen worden. Die Polizei sei auch gekommen: um die Landeerlaubnis zu kontrollieren. »Aber alles war niveauvoll, auch der Striptease der Frau im Champagnerglas.«
Die Models: Die Schmuddel-Gerüchte, wonach in die Erlenbacher Villa regelmäßig junge Frauen von der Straße weg zum »Casting« eingeladen wurden, werden befeuert durch Aussagen von Frauen, die lediglich bei der ominösen Geburtstagsparty aus Neugierde vom Winzerfest kommend vorbeischauten - und prompt Einlass bekamen. »Da wird jetzt viel übertrieben«, sagt ein Partygast, es sei pompös, aber sehr gesittet zugegangen.

Das Playboy-Schloss: Die Einschätzung vom gesitteten Feiern wird konterkariert vom Namen der Firma, die in der Erlenbacher Villa residierte: »Playboy Mansion GmbH«, eingetragen zum Zwecke des Erwerbs und der Verwaltung der Liegenschaft. Playboy Mansion heißt auch die sagenumwobene Villa in Los Angeles, in der Playboy-Gründer Hugh Hefner schon manches Playmate beherbergte. Wie dort sollen auch in Erlenbach zuweilen Damen zu Gast gewesen sein, die mit Körpereinsatz Geld verdienen. Unten im Ort tuscheln die Leute von einem Swinger-Club. Eingeweihte winken ab.

Die Razzia: Bereits im Sommer vergangenen Jahres achtete die Polizei bei einer ersten Durchsuchung penibel auf Eigensicherung - so erklärt sich der personelle und technische Aufwand am Dienstag. Unbestätigten Berichten zufolge zu Recht: Es sollen viele Waffen beschlagnahmt worden sein. Zudem wurden offenbar weitaus mehr Objekte am bayerischen Untermain durchsucht, als bisher bekannt ist (Aschaffenburg, Hösbach, Mainaschaff, Großostheim, Erlenbach, Großheubach, Miltenberg). Angeblich wurde ein Mann mitten im Stau bei Aschaffenburg festgenommen.

Der Frühstarter: Über den muskolösen Stephan Schäfer, der in Offenbach festgenommen wurde, weiß man bisher nur wenig. Über Jonas Köller hingegen berichtete unsere Zeitung schon öfter: 2002 legte er als Jahrgangsbester das Fachabitur in Obernburg ab. Ein Jahr zuvor hatte er bereits sein Gespür für Geldspekulationen bewiesen: Beim »Planspiel Börse« der Sparkasse Miltenberg-Obernburg belegte er den ersten Platz auf Landkreisebene und den dritten Platz bayernweit. Ganz legal. Jens Raab

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