Montag, 21.08.2017

… oder doch Fewo?

Winterlandschaft am Chiemsee
Dienstag, 31.01.2017 - 09:01 Uhr

Test­pha­se zwei: ei­ne Fa­mi­li­en­fe­ri­en­woh­nung in Aschau im Chiem­gau mit Bal­kon und Blick auf die Ber­ge und Sch­loss Ho­he­na­schau. Wir zah­len pro Nacht 60 Eu­ro, das Kind kos­tet zu­sätz­lich fünf Eu­ro pro Nacht.

Dafür haben wir ein gemütliches Wohnzimmer mit Küche, ein Schlafzimmer, eine große Spielekiste, ein Schwimmbad im Keller. Programm dazu gibt es nicht. Da müssen wir uns selbst was ausdenken. Wir fahren mit dem Schiff über den Chiemsee und bestaunen das pompöses Schloss Herrenchiemsee von Ludwig II., wo es ein »Tischlein deck dich« gibt: einen Tisch, der fertig mit Essen gedeckt aus den unteren Räumen nach oben in des Königs Esszimmer gekurbelt wurde.
In der Ferienwohnung haben wir leider kein »Tischlein deck dich«. Also selber ins Dorf marschieren, im Laden den neusten Tratsch hören und zu Hause mal Leberkäs’, mal Pizza oder - uralte Familienurlaubstradition seit den eigenen Kindertagen - Mirácoli »kochen«. Für uns Eltern ist das natürlich etwas mühsam und kulinarisch wenig ergiebig, also gehen wir öfter mal essen, was das Urlaubsbudget leider nachhaltig belastet.
Terminstress dagegen gibt es nicht. Gerne lümmeln wir bis Mittags im Schlafanzug auf dem Sofa rum - ohne die Angst, wieder was zu verpassen. Was uns fehlt: der Kontakt zu anderen Urlaubsfamilien. Keine Spielgefährten fürs Kind, kein Small Talk mit anderen Eltern. Das ist schade und ein deutliches Plus fürs Hotel. Mehr Eigeninitiative ist jetzt gefragt. Unser Schwimmbad im Keller ist klein, das Wasser kalt und damit Kleinkinder-unfreundlich.
Zwei Übernachtungsmöglichkeiten, zwei ganz unterschiedliche Urlaube. Am Ende steht ein Unentschieden. Für wirkliche Individualisten ist ein Familienhotel nichts. Aber wer mal ein paar Tage umsorgt werden möchte, der ist hier richtig. Vermisst haben wir allerdings auch in der Ferienwohnung nichts - die Zeit zusammen ist sowieso unbezahlbar.