Montag, 20.02.2017

Du und ich

Freunde für immer
Dienstag, 31.01.2017 - 09:01 Uhr

Was als zar­tes Pf­länz­chen be­ginnt, kann spä­ter ganz groß und stark wer­den. Und im bes­ten Fall ein Le­ben lang hal­ten: Freund­schaf­ten sind wich­tig für uns. Sie ma­chen uns stark und zei­gen uns, wer wir sind. Sie ma­chen uns kom­p­lett.

Für Kinder sind Freundschaften in den ersten Jahren einzigartige Übungsfelder, um soziale Kompetenzen zu erlernen. Wer gibt nach? Wie streitet man? Wie höre ich dem anderen zu - und akzeptiere eine andere Meinung? Wie fühlt es sich an, ein Herz und eine Seele zu sein?
Echte Kinderfreundschaften beginnen ab dem dritten Lebensjahr. Vorher spielen Kinder eher neben- statt miteinander. Doch Kindergartenkinder sind bereit für eine(n) Freund/in, auch wenn diese Bezeichnung von den Kindern anfangs noch sehr großzügig vergeben wird. Aber der Begriff hat bereits für Drei- und Vierjährige eine Bedeutung. Ein Freund ist für sie jemand, der da ist, sich für ähnliche Dinge interessiert und mit dem man gut spielen kann. Bei Kindergartenkindern gibt es allerdings fast kein Spielen ohne Streit. Eitel Sonnenschein wird zum Gewitter: Alle Eltern kennen das. Die Stimmung kann innerhalb von Sekunden kippen beim Spielenachmittag. Hin und her, »Mein« und »Dein«: Da wird gekappelt, gestritten und diskutiert. Und wir Eltern sollten uns soweit es geht zurückhalten und nur im Notfall als Moderatoren fungieren. Freundschaft im Kindergartenalter ist auch ein Kräftemessen, bei dem Kinder ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen. Der eine läuft schneller, der andere redet mehr, der dritte ist ein charmanter Clown. Durch ein Gegenüber lernen Kinder sich selbst kennen. Kindergartenfreundschaften können so schnell enden, wie sie begonnen haben. Denn die Kinder sind kurzfristige Verbündete, bei denen das eigene Ego noch total im Mittelpunkt steht.
Während Kleinkinder noch gerne mit beiden Geschlechtern spielen, wird das bei Vorschulkindern plötzlich komplizierter. »Jungs nerven« und »Mädchen sind doof« hört man von da an öfter. Einige frühe Kinder-Freundschaften enden dann - und darunter leiden mehr die Mütter als die Kinder. Denn oft haben sie in den ersten Jahren mit Kind eben auch neue Freundschaften mit anderen Müttern geschlossen - und jetzt spielen die lieben Kleinen plötzlich nicht mehr mit und wollen sich ihre Freunde selbst aussuchen …
Im Grundschulalter verändern sich Freundschaften. Gruppenzugehörigkeit wird immer wichtiger - und die Eltern treten immer mehr in den Hintergrund. Jetzt ist die große Zeit tiefster Verbundenheit zwischen Kindern. Man besucht sich gegenseitig (ohne Eltern! Endlich!), man übernachtet beieinander, man teilt Geheimnisse. Loyalität ist jetzt ganz wichtig. Mädchen haben von nun an oft ganz enge
Zweierbeziehungen, in denen Eifersucht eine große Rolle spielen kann.
Jungs dagegen sehen Freundschaft meist lockerer und mehr praktisch orientiert.
Und was macht einen guten Freund aus? Kreative Kinder, die viele und originelle Spielideen haben, sind besonders beliebt. Außerdem selbstbewusste Kinder. Viele Kinder orientieren sich altersmäßig nach oben, bewundern ältere Kinder und möchten mit ihnen befreundet sein.
TOLERANZ GEFRAGT
Eltern sollten jetzt bloß nicht den Fehler begehen, ihre Vorstellungen von Freundschaft auf die ihrer Kinder zu übertragen. Denn Kinder-Freundschaften sind oft an bestimmte Entwicklungsschritte geknüpft und halten Veränderungen (die Freundin zieht weg zum Beispiel) oft nicht stand.
Oberste Regel für Eltern: Nicht versuchen, die Freunde der Kinder selbst auszuwählen. Das geht häufig schief. Natürlich kennen wir alle das Gefühl, dass wir befürchten, ein Kind sei vielleicht nicht der richtige Umgang, oder wir mögen einfach die Eltern nicht. Dennoch sollten wir die Freunde unserer Kinder auch mal mit deren Augen sehen. Ein »nettes« Kind, das immer höflich ist und angepasst, kann eben ein verdammt langweiliger Spielgefährte sein. Da wählen unsere Kleinen lieber den kleinen Chaoten als Freund aus, der immer witzige Ideen hat und für jeden Spaß zu haben ist. Es ist Toleranz gefragt, was die soziale Herkunft, die Nationalität oder die Religion der Freunde angeht. Unterstützen Sie ihr Kind in seinen Freundschaften - und machen sie Spielgefährten und deren Familie nicht vor ihm schlecht.
SPIELFÄHIGKEIT FÖRDERN
Doch natürlich kann man sein Kind auch darin unterstützen, Freunde zu finden - vor allem, wenn es noch kleiner ist.
Drängen Sie es nicht zur Kontaktaufnahme mit Sprüchen wie »Geh doch mal da hin - und frag’ ob das Kind mit Dir spielen will«, sondern lassen Sie ihm Zeit. Meist weiß der Nachwuchs selbst am besten, wie er Kontakte knüpfen kann. Und wer findet es schon cool, immer mit Mama im Nacken auf Freundessuche zu gehen? Richtig: Niemand.
Ein schüchternes Kind fühlt sich sicher mit einem einzelnen Spielgefährten wohler, als wenn gleich mehrere Kinder aufeinander treffen. Das sollte man beachten, wenn man Kinder zu sich nach Hause einlädt. Ziehen Sie sich dann auch einmal zurück und lassen Sie die Kinder spielen, heutzutage greifen die Eltern viel zu oft in das freie Spiel der Kinder ein. Manche Kinder haben deshalb das richtige Spielen verlernt. Doch die Spielfähigkeit kann man fördern, indem man den Kindern witzige Anregungen gibt und die erforderlichen Materialien zur Verfügung stellt.
Dabei müssen die Eltern nicht als Spielpartner stundenlang im Kinderzimmer sein, sondern nur ansprechbar zur Seite stehen. Dauerbespaßung ist wenig hilfreich fürs Selbstbewusstsein.
Es gibt sicher auch Kinder, die sehr gerne bewusst alleine spielen - und deshalb noch längst nicht im Erwachsenenalter zu Sonderlingen werden. Das ist in Ordnung so, denn jeder Mensch ist anders, auch wenn er noch klein ist. Kinder scheinen sich beim Thema Freundschaften auch an ihren Eltern zu orientieren. Haben die Eltern wenige oder nur die nötigsten sozialen Kontakte, so sind auch die Kinder oft einsam. Wer seinen Kindern mehr Freunde wünscht, sollte vielleicht erst einmal einen kritischen Blick auf das eigene Sozialleben werfen.
Um Freundschaften zu fördern, kann man einiges tun: Das Kind zum Beispiel im Verein anmelden, so dass es andere Kinder unabhängig von der Schule oder dem Kindergarten kennenlernt. Manche Kinder werden durch ihr eigenes Verhalten zum Außenseiter, so dass andere Eltern ihren Nachwuchs nicht mehr zu ihm lassen. Da müssen Eltern Präsenz zeigen und zu den Familien Kontakt aufnehmen, um die Situation zu lösen. Freunde sind wichtig für unsere Kinder. In jedem Alter. Denn sie sind im wahrsten Sinne des Wortes »Entwicklungshelfer«. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, wachsam zu sein - und sonst den Dingen ihren Lauf zu lassen. Denn in der Freundschaft ist es wie in der Liebe: Man kann nichts erzwingen - und die wichtigsten Menschen trifft man meist, wenn man gar nicht damit rechnet. Das geht Kindern nicht anders.